Rezensionen Backrooms

Backrooms

A24 / Constantin Films

Eigentlich klappt nichts im Leben von Clark (Chiwetel Ejiofor). Seinen Traum, als Architekt zu arbeiten, musste er aufgeben, stattdessen arbeitet er in einem Möbel-Discounter ohne Kundschaft. Seine Ehe ist auch gescheitert, er wurde aus seinem eigenen Haus geworfen. Also schläft er im Möbelhaus und badet in Selbstmitleid, wenn er sich nicht gerade betrinkt. Seine Besuche bei der Therapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) bringen ihm nicht viel. Eines Tages entdeckt er per Zufall, dass im Untergeschoss des Ladens eine geheime Wand ist, die zu einer Art Bürogebäude führt. Wozu dieses genutzt wird, ist ebenso unklar wie die Entstehung desselben. Irgendwie ist alles anders und seltsam. Zunächst davon erschrocken, begibt sich Clark regelmäßig in dieses Labyrinth, fest entschlossen, dessen Geheimnisse zu entschlüsseln…

Horrorfilme können die unterschiedlichsten Vorlagen oder Inspirationen haben. Ob Romane, Comics oder Videospiele, im Grunde ist alles erlaubt, was dem Publikum Angst einjagt. Seit einiger Zeit werden aber auch sogenannte Creepypastas herangezogen: Unheimliche Geschichten, die im Internet ihren Anfang nahmen und sich von dort aus wie ein Lauffeuer verbreiten. Bislang war die Ausbeute bei diesen filmischen Adaptionen aber mager. So war Slender Man 2018 zwar erfolgreich, aber ein künstlerisches Desaster. Andere kleine Produktionen sind komplett untergegangen. Umso überraschender ist, wie enorm der Hype bei Backrooms ist. Tatsächlich ist jetzt schon ziemlich sicher, dass die US-Produktion einer DER erfolgreichsten Horrorfilme des Jahres werden wird.

A24 / Constantin Films

Ihren Anfang nahm die Geschichte in einem Post im Internet, welches eigentlich nur aus einem Bild bestand. Kane Parsons ließ sich davon für eine eigene Version interpretieren: Seit 2022 hat er rund zwei Dutzend YouTube-Videos veröffentlicht, die sich um solche geheimen Orte dreht, welche von einer Organisation untersucht werden. Diese Videos waren so beliebt, dass Parsons Pläne für eine Kinoversion entwickelte, die dann naturgemäß deutlich aufwendiger ausfallen sollte. Das Budget ist zwar nach wie vor überschaubar, gerade einmal zehn Millionen US-Dollar soll die Adaption gekostet haben. Man konnte für Backrooms aber einige bekannte Gesichter gewinnen: Neben der derzeit allgegenwärtigen norwegischen Schauspielerin Renate Reinsve (Fjord, Sentimental Value) sind Chiwetel Ejiofor und Mark Duplass dabei. Wobei das Trio schauspielerisch nur bedingt gefordert ist. Zwar wird schon versucht, den Figuren mehr Tiefe zu geben. Dennoch ist der Film ausgerechnet dann am schwächsten, wenn er versucht, wirklich etwas zu erzählen.

Der eigentliche Star, das sind nämlich die titelgebenden Räume selbst. Von Anfang an arbeitet Parsons mit einer schön surrealen Atmosphäre. Dafür braucht es auch gar nicht viel, es reicht schon, wenn die Objekte irgendwie anders aussehen oder neu angeordnet werden. Die ewig gleichen und menschenleeren Gänge, unterbrochen nur von wenigen bewegten oder akustischen, das reicht schon. Diese Erkundungen, verbunden mit Found-Footage-Momenten, machen Backrooms zu einer Art Mischung aus Exit 8, The Blair Witch Project und Alice im Wunderland. Richtige Schreckmomente sind dabei in der Minderheit, aber es wird doch immer mal wieder schön unheimlich, wenn wir uns immer weiter weg bewegen von der Realität – wörtlich und im übertragenen Sinn.

A24 / Constantin Films

Insgesamt ist die Übertragung auf die große Leinwand dadurch erstaunlich gut geglückt. Es macht gerade in der ersten Hälfte viel Spaß, gemeinsam mit den Figuren durch die Räumlichkeiten zu streifen, sich über die Konstruktionen zu wundern und darauf gespannt zu sein, was sonst noch alles geschehen mag. Später baut Backrooms etwas ab. Der Versuch, das Geschehen stärker zu psychologisieren, ist gleichzeitig zu viel und zu wenig. Einerseits faszinierend sich mit den Lesarten zu beschäftigen, aber für mich hätte es keinerlei Erklärungsversuche seitens der Protagonisten gebraucht, es ist faszinierender dies selbst zu ergründen. Es bleiben aber auch noch genügend Versatzstücke, um selbst zu analysieren. Auch wenn der Film den Zuschauer etwas unbefriedigend zurücklässt, ist er doch sehenswert geworden und macht neugierig, was der gerade einmal 20-jährige Kane Parsons in Zukunft sonst noch alles auf die Beine stellen wird.

Fazit: Basierend auf der beliebten Webserie erzählt Backrooms, wie ein gescheiterter Mann eine rätselhafte Parallelwelt entdeckt und diese erkunden will. Das macht gerade in der ersten Hälfte viel Spaß, wenn die zunehmend seltsamen Räume im Mittelpunt stehen. Der spätere Versuch einer Psychologisierung dürfte aber die Zuschauer spalten.

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