Rezensionen Nürnberg (OT: Nuremberg)

Nürnberg (OT: Nuremberg)

© Courtesy of Sony Pictures Classics

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Deutschland ist besiegt. Jetzt geht es darum, dem Schrecken ein Ende zu setzen. Und das bedeutet auch, dass die Verantwortlichen der von den Nationalsozialisten begangenen Gräueltaten vor Gericht gestellt werden. Einfach ist das nicht, da es für einen solchen internationalen Prozess keinen Präzedenzfall gibt. Umso wichtiger ist, dass dies alles Hand und Fuß hat. Aus diesem Grund wird der Militärpsychiater Douglas M. Kelley (Oscarpreisträger Rami Malek) nach Nürnberg geschickt, wo er Hermann Göring (Oscarpreisträger Russell Crowe) unter die Lupe nehmen soll, einen der Architekten des Holocaust. Das führt den jungen Arzt jedoch immer wieder an seine Grenzen, da das mutmaßliche Monster ganz anders ist, als er sich das vorgestellt hat…

80 Jahre ist es mittlerweile her, dass die legendären Nürnberger Prozesse stattfanden, in denen die deutsche Führung sich wegen der begangenen Kriegsverbrechen vor Gericht behaupten mussten. Immer wieder wurden diese in Filmen aufgegriffen, um die historische Bedeutung zu veranschaulichen. So lief Ende letzten Jahres die deutsche Produktion Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen, die aus der Sicht zweier junger Opfer erzählt wird, die sich noch einmal dem Schrecken stellen müssen. Große Berühmtheit erlangte natürlich auch Das Urteil von Nürnberg von 1961, einer der Klassiker des Gerichtsfilms, der zudem mehrere Oscars erhielt. Mit Nürnberg kommt nun ein weiterer Anlauf, sich dieses Themas anzunehmen und die Bedeutung dieser Prozesse zu unterstreichen. Und dieser lockt mit einem beeindruckenden Ensemble. Neben den oben genannten spielen unter anderem Leo Woodall und Michael Shannon mit.

© Courtesy of Sony Pictures Classics

Dabei sind die eigentlichen Prozesse hier eher knapp gehalten. Regisseur und Drehbuchautor James Vanderbilt legt den Fokus primär auf Göring sowie den Militärpsychologen M. Kelley, der diesen beurteilen muss. Anfangs meint man noch, dass es vor allem um die Einrichtung dieser Gerichtsverhandlungen geht, da es vorher nichts Vergleichbares gab. Der Aspekt ist auch ganz interessant, weil es keine vergleichbaren Präzedenzfälle gab, an denen man sich damals orientieren konnte. Wie kann man jemanden vor Gericht stellen, der in einem fremden Land Verbrechen begeht? Das eigentliche Thema ist aber ein anderes. Vorlage für den Film ist dabei das Sachbuch The Nazi and the Psychiatrist von Jack El-Hai, der sich darin mit dem speziellen Verhältnis zwischen den beiden Männern beschäftigt.

Der Film handelt dann auch davon, wie Kelley dem Angeklagten begegnet und wie sich diese beiden Männer annähern. Von Göring geht dabei eine gewisse Faszination aus, er wird als gebildet beschrieben, aber eben auch als manipulativ. Der Psychologe scheint zumindest zeitweise dem Deutschen zu verfallen. Dem muss man nicht zwangsläufig selbst zustimmen. So ganz nachvollziehbar ist das dann doch nicht. Zumindest die Absicht ist aber klar: Nürnberg versucht zu zeigen, wie diese Menschen ihre Monströsitäten verwirklichen konnten und ihnen so viele folgten. Ein bisschen soll das wohl auch als eine Art Warnung fungieren, da es derzeit weltweit Leute gibt, die mit Populismus eine menschenverachtende durchdrücken. Auch wenn die Prozesse 80 Jahre zurückliegen, so weit erscheinen sie einem dabei nicht.

Obwohl der Fokus so stark auf den Figuren liegt, ist das Drumherum doch der spannendere Aspekt geworden. Aber dafür sind eben die bekannten (amerikanischen) Darsteller da, die zumindest teilweise auch auf Deutsch sprechen. Insgesamt ist Nürnberg ein ganz ordentliches Historiendrama geworden, welches sicherlich Fragen stellt, über die man heute noch gut nachdenken kann. Zwar verblasst der Film angesichts der zahlreichen Stars etwas, da dieser der Geschichte wenig Neues hinzuzufügen vermag, aber das tut dem Gesamtwerk kaum einen Abbruch. Der VIP des Films für mich überraschend Leo Wodall, dessen Performance Mitten ins Mark trifft!

Fazit: Nürnberg erinnert an die bedeutenden Nürnberger Prozesse, konzentriert sich dabei auf das Verhältnis zwischen Göring und einem Psychologen. Der Versuch, die Anziehungskraft des Monsters zu zeigen, ist offensichtlich und der spannendste Aspekt, denn wer geschichtlich etwas bewandert ist oder den Gerichtsklassiker Das Urteil von Nürnberg (1961) gesehen hat, der wird kaum Neues erfahren. Macht aber angesichts des Schauspielduells von Crowe und Malek nichts.

© Courtesy of Sony Pictures Classics

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