
Es ist Oscar-Woche und entsprechend liegt diese Woche alles auf die kommende Verleihung und auf Rückblick auf Vergangenes. Nachdem ich die letzten 10 Oscar-Gewinner für den „Besten Film“ gerankt habe, nun mein Ranking der nominierten Filme, bevor es dann darum geht die eigenen Nominierungen zu verkünden und auszuzeichnen. Viel Spaß damit! Wir würden ihr die 10 Nominierten ranken und wen würdet ihr für welchen Film aus dem Line-up kicken?

Platz 10: F1
Die Perspektive war glänzend, man sagte Sonny Hayes (Brad Pitt) eine große Karriere bei der Formel 1 voraus. Doch seine rücksichtslose, oft gefährliche Fahrweise brachte ihm einen zweifelhaften Ruf ein. Als er einen verheerenden Unfall baute, war das mit dem Fahren ohnehin schlagartig vorbei. Seither schlägt er sich als Taxifahrer und Spieler durchs Leben. Eines Tages steht jedoch Ruben Cervantes (Javier Bardem) vor ihm, selbst ein ehemaliger Formel-1-Fahrer und Leiter des APXGP-Teams. Dieses steht kurz vor dem Aus. Zwar ist Nachwuchsfahrer Joshua Pearce (Damson Idris) ein großes Talent, die Erfolge lassen dennoch auf sich warten. Nun soll es Sonny retten, der letzte Strohhalm, an den sich Ruben klammert. Doch der Teufelsfahrer bringt mit seiner überheblichen Art nicht nur seinen Fahrkollegen, sondern auch Teammitglieder wie Kaspar Molinski (Kim Bodnia) Kate McKenna und (Kerry Condon) gegen sich auf…
F1 handelt von einem unkonventionell-rücksichtslosen Ex-Rennfahrer, der einem kriselnden Rennstall helfen soll. Der Film strotzt nur so vor Klischees und bläst die Laufzeit mit unnötigem Drama auf. Dennoch ist das ganz unterhaltsam, teils auch witzig, gerade die Rennszenen mit ihren ungewöhnlichen Strategien machen Spaß. Allerdings hätte es dafür mit Weapons, Warfare, uva. deutlich würdige Vertreter gegeben.



Platz 09: FRANKENSTEIN
Captain Anderson (Lars Mikkelsen) und seine Crew sind gerade damit beschäftigt, ihr Schiff aus dem Eis zu befreien, nachdem es während einer Arktisexpedition eingeschlossen wurde. Plötzlich taucht ein schwer verletzter Mann bei ihnen auf, der sich als Victor Frankenstein (Oscar Isaac) vorstellt. Er wird von einer seltsamen, unverwundbaren Kreatur verfolgt. Doch wer ist dieser Fremde wirklich? Was verbirgt sich hinter dem blutrünstigen Wesen? Frankenstein beginnt zu erzählen, wie er als Kind (Christian Convery) den frühen Verlust seiner Mutter verkraften musste. Damals schwor er sich, den Tod zu überwinden. Erst als Erwachsener kommt er seinem Ziel näher, unterstützt von dem wohlhabenden Förderer Henrich Harlander (Christoph Waltz), dessen Nichte Elizabeth (Mia Goth) mit Victors Bruder William (Felix Kammerer) liiert ist…
Hätte es noch einmal eine Verfilmung der Geschichte um einen Wissenschaftler, der einen künstlichen Menschen schafft gebraucht? Nein. Aber Del Toro muss man zugute heißen, dass er dieses Mal das „Monster“ und sein Innenleben in den Fokus rückt. Zudem ist die Optik über weite Strecken überwältigend und hat daher auch zurecht Oscars für das „Beste Make-up“, „Ausstattung“ und „Kostümdesign“ erhalten. Einen neuen Klassiker haben wir zwar mit der neusten Adaption des berühmten Stoffes nicht bekommen, aber der neue Ansatz weiß zu gefallen.



Platz 08: BUGONIA
Michelle Fuller (Emma Stone) hat es geschafft: Als Geschäftsführerin eines mächtigen Pharmaunternehmens ist sie sowohl erfolgreich als auch bekannt. Sicher, das Unternehmen steht ein wenig in der Kritik, doch das lässt sich mit etwas PR-Arbeit und wohlklingenden Versprechungen wieder in den Griff bekommen – so dachte sie zumindest. Doch Teddy (Jesse Plemons) lässt sich davon nicht überzeugen. Er ist fest davon überzeugt, dass Michelle eine Außerirdische ist, die an Menschen, darunter auch an seiner eigenen Mutter, Experimente durchführt und die Invasion ihres Volkes vorbereitet. Als engagierter Bürger sieht Teddy es als seine Pflicht, dies zu verhindern. Zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis) entführt er Michelle und hält sie in seinem Keller gefangen. Ihr Ziel: Sie soll zugeben, ein Alien zu sein, und ihn zu ihrem Anführer bringen…
Bugonia erzählt von zwei Cousins, die eine Unternehmerin entführen, weil sie diese für ein Alien halten. Das Remake der südkoreanischen Science-Fiction-Komödie „Save the Green Planet!“ kombiniert dabei Absurdität mit Gesellschaftskritik. Subtil ist das nicht, zudem teilweise vorhersehbar. Aber der Film macht Spaß, auch wegen der starken Bilder und grandiosen Leistungen von Emma Stone und Jesse Plemons.



Platz 07: ONE BATTLE AFTER ANOTHER
Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) lieben es, gemeinsam für richtig Unruhe zu sorgen und es im Namen ihrer Revolution krachen zu lassen. Als Perfidia jedoch bei einer ihrer Aktionen geschnappt wird und den Rest ihrer Gruppe French 75 verrät, trennen sich ihre Wege. Seither gibt es keinen Kontakt mehr. Bob lebt inzwischen zurückgezogen in seiner Paranoia und mit reichlich Drogen und Alkohol, während er sich um die gemeinsame Tochter Willa (Chase Infiniti) kümmert. Eigentlich lief das immer ganz gut, bis Col. Steven J. Lockjaw (Sean Penn) wieder auftaucht, der seinerzeit in Perfidia verliebt war und den Rest der Truppe jagte. Denn der hat es auf die beiden abgesehen, weil er noch eine Rechnung offen hat und zudem in einen exklusiven Kreis aufgenommen werden will…
Da ist er nun, der Oscarabräumer 2026. Die starbesetzte Mischung aus Action, Komödie und Thriller macht immer wieder richtig viel Spaß, wenn es betont verrückt wird. Richtig Spannung kommt nur am Ende bei der berühmten Car Chase-Scene auf. Ansonsten ist der Film etwas zu überdreht und hat im Mittelteile für meinen Geschmack zulange Leerlauf. Auf der technischen und inszenatorischen Seite ist der neuste Streich von Paul Thomas Anderson aber großes Kino, das muss man anerkennen. Inhaltlich wäre aber mehr drin gewesen, denn auch wenn die Revolution zwar Grundlage ist, ist sie aber noch der uninteressanteste Teil des Ganzen. Sorry about it.



Platz 06: TRAIN DREAMS
Nordamerika, Anfang des 20. Jahrhunderts. Robert Grainier wächst als Waise auf und schlägt sich im erwachsenen Alter (Joel Edgerton) als Holzfäller und Eisenbahnbauarbeiter in den nordwestlichen Wäldern Amerikas durch. Dort lernt er Gladys (Felicity Jones), eine Frau aus Wales, kennen und lieben. Gemeinsam bauen sie ein Haus an einem See fernab von jeglicher Zivilisation, heiraten und bekommen eine Tochter. Doch Robert muss als Wanderarbeiter öfters das Familienidyll verlassen. Als er von einer seiner Arbeitsaufträgen zurückkommt, sieht er, wie Rauchwolken über den Bäumen aufsteigen. Erreicht der Waldbrand das Haus seiner Familie?
Train Dreams von Clint Bentley ist ein Western ohne die Genre typischen Konflikte. Er zeigt einerseits die industrielle Ausbreitung sehr genau und andererseits die Natur als unberührbaren Ort. Eingefangen von der wohl besten Kamerarbeit des Jahres von Adolpho Veloso und einem fabelhaften Score. Dazu das grandiose Schauspiel von Joel Edgerton und William H. Macy, welches zu Herzen geht. Hat mich sehr bewegt und ist für mich total underrated unter den nominierten Filmen.



05) THE SECRET AGENT
Nach einem Zwischenfall an der Universität, an der er arbeitete, kehrt Marcelo (Wagner Moura) in seine Heimatstadt Recife zurück. Er ist sich bewusst, dass er weiterhin beobachtet wird, weshalb er sich versteckt und sich einen Decknamen zulegt. Seine Heimat bietet ihm jedoch alles andere als die Ruhe, die er sucht, denn der Fund eines menschlichen Beines im Maul eines Hais wirft Fragen auf. Während die lokale Presse eine Sensationsstory wittert, sieht sich der korrupte Polizeichef Euclides (Robério Diógenes) in der Pflicht, den Fall schnell aufzuklären. Davon bekommt Marcelo zunächst nichts mit. Unter falschem Namen nimmt er seine Arbeit auf dem Polizeirevier auf, wo sein neuer Vorgesetzter vor allem durch arrogantes Verhalten auffällt. Zugleich ahnt er, dass seine Widersacher ihm dicht auf den Fersen sind und sogar Auftragskiller auf ihn angesetzt haben. Marcelo muss sich nun entscheiden, ob er weiterhin zum Widerstand hält oder gemeinsam mit seinem Sohn die Flucht in ein neues Leben in Angriff nimmt…
The Secret Agent ist ein Polit-Thriller über die politischen, gesellschaftlichen, aber vor allem die psychologischen Folgen konstanter Überwachung und Gewalt. Kleber Mendonça Filho gelingt ein packender Film, der genau beobachtet, wie Unfreiheit einen Menschen mürbe macht und langsam verändert. In der Hauptrolle zeigt Wagner Moura eindrucksvoll, warum er zu den derzeit besten Darstellern seiner Generation zählt, wenn er die Tiefe des emotionalen Konflikts seiner Figur dem Zuschauer begreiflich und nachvollziehbar vermittelt. Einzig die für mich unnötigen fantastischen Elemente des dritten Akts verweigern eine noch höhere Platzierung, des ansonsten grandiosen Films.



04) SENTIMENTAL VALUE
Der Schock ist groß bei Nora Borg (Renate Reinsve). Eigentlich hatten sie und ihre Schwester Agnes Borg Pettersen (Inga Ibsdotter Lilleaas) nur in Ruhe die Totenfeier für ihre Mutter abhalten wollen, als auf einmal ihr Vater Gustav (Stellan Skarsgård) vor ihnen steht. Eigentlich haben sie kaum Kontakt zu ihm. Das Verhältnis war auch nie das Beste, seitdem er die Familie verlassen hatte, was vor allem Nora ihm noch immer übelnimmt. Nun ist er zurück. Mehr noch: Der renommierte Regisseur will zum ersten Mal seit Jahren einen Film drehen und hat ausgerechnet Nora für die Hauptrolle ausgesucht. Diese lehnt ab, will nicht einmal das Drehbuch lesen, weshalb Gustav die Rolle mit Rachel Kemp (Elle Fanning) besetzt. Doch damit ist die Sache nicht ausgestanden…
Sentimental Value bringt zwei Schwestern mit ihrem entfremdeten Vater zusammen, der durch einen neuen Film für Gefühlschaos sorgt. Das Drama erzählt ohne große Sentimentalität, wie Leute sich der Vergangenheit stellen und dabei zueinander finden. Das ist herausragend gespielt, mal schön, mal entsetzlich bitter – und dabei ein zutiefst menschlicher Film. Verdienter Oscargewinner!



03) BLOOD & SINNERS (OT: Sinners)
In der Jim-Crow-Ära der Vereinigten Staaten kehren die beiden berüchtigten Zwillinge Smoke und Stack (Michael B. Jordan) in ihre Heimatstadt zurück, um einen Nachtclub zu eröffnen. Mit einem Truck voller Waffen, irischem Bier und italienischem Wein aus Chicago wollen sie das Gangsterleben hinter sich lassen und die Früchte ihrer Arbeit in ihre neue Bar investieren. Zu diesem Zweck rekrutieren sie entfernte Verwandte und alte Freunde – unter anderem ihren Cousin Sammy „Preacherboy“ (Miles Caton). Gegen den Willen seines Vaters nimmt Sammy die Einladung seiner Cousins an, um seiner Leidenschaft als Blues-Musiker nachzugehen. Was als fulminante Einweihungsfeier geplant war, nimmt jedoch eine unvorhergesehene Wendung, als ein seltsames Trio auftaucht und Einlass begehrt.
Mit „Blood & Sinners“ bricht Ryan Coogler nicht nur aus dem Gefängnis des Franchise-Kinos aus, sondern liefert einen ambitionierten Genre-Mix, ohne sich dabei zu verlieren. Im Rahmen seiner extravaganten Exposition stellt Coogler klassische Fragen des Black Cinema und krönt seinen Film in der zweiten Hälfte mit brachialer, roher und exzellent inszenierter Action. Wird von Mal zu Mal immer besser!



02) HAMNET
Im späten 16. Jahrhundert trifft ein junger William Shakespeare (Paul Mescal) auf die geheimnisvolle, als Hexe verschriene Agnes (Jessie Buckley). Trotz Warnungen seiner Familie verliebt er sich Hals über Kopf und überzeugt schließlich ihren Bruder Bartholomew (Joe Alwyn), einer Verlobung zuzustimmen. Das junge Liebesglück führt zu einer gemeinsamen Tochter (Freya Hannan-Mills), gefolgt von den Zwillingen Hamnet (Jacobi Jupe) und Giulia (Olivia Lynes). Bereits vor ihrer Geburt plagten Agnes Visionen, dass eines ihrer Kinder nicht überleben wird. Während sie sich vor allem Sorgen um die schwächliche Giulia macht, ist es Hamnet, der überraschend im Alter von elf Jahren an der Beulenpest stirbt, während sein Vater in London ist. Eingenommen von Trauer verliert sich William in seiner Arbeit und widmet seinem Sohn sein Theaterstück Hamlet, Prinz von Dänemark.
Chloé Zhao liefert mit Hamnet ein emotional einnehmendes und exzellent inszeniertes Drama, das trotz seiner shakespearesken Thematik und Theatralik seine eigene Identität behält. Neben der grandiosen Inszenierung müssen vor allem die darstellerischen Leistungen betont werden, in denen Oscargewinnerin Jessie Buckley, als auch der damals gerade mal 12-jährige Jacobi Jupe überragen.



01) MARTY SUPREME
Marty Mauser (Timothée Chalamet) ist der junge Protégé des amerikanischen Tischtennissports. Während diese Disziplin in Asien längst als Breitensport großen Anklang findet, liegt Amerika weit hinter den Vorreiternationen wie Großbritannien und Japan zurück. Mauser sieht sich berufen, das zu ändern, und sein Talent gibt ihm Recht. Für Sponsoren oder das große Geld wird Tischtennis jedoch bisher nicht ernst genug genommen. So muss Mauser abseits von Nebenjobs auch immer wieder zu Tricks und Betrügereien greifen, um seine Reisen zu Turnieren zu finanzieren. Sein rücksichtsloser Egoismus bringt ihn dabei in zunehmend prekäre Lagen…
Unter der Prämisse einer fiktionalisierten Sportbiografie ist Marty Supreme ein bildgewaltiges Period-Piece und gleichzeitig eine intime Charakterstudie. Timothée Chalamet vereint als Marty Mauser Talent, Arroganz und Egoismus mit dem Optimismus und der Hybris des New Yorks der 50er Jahre. Trotz seiner fraglichen Charaktereigenschaften fesselt Mausers Charme ebenso wie Chalamets Schauspiel. Rasantes Erzähltempo, pointierter Humor und ein exzellentes Ensemble machen Marty Supreme für mich zum aufregendsten und besten Film der Oscarsaison.

