
In einer Woche wird der Oscar-Gewinner des „Besten Films 2025“ bekannt gegeben, Zeit zurück zu blicken, bevor ich wir uns genauer mit dem aktuellen Line-Up beschäftigen werden! Wie würde euer Ranking ausfallen? Schreibt es gerne in den Kommentaren!

PLATZ 10: Green Book: Eine ganz besondere Freundschaft (2018)
Wenn er sich nicht gerade mit Hotdog-Wettessen ein bisschen was hinzuverdient, hält sich der Italo-Amerikaner Tony Lip (Viggo Mortensen) mit seiner Arbeit als Sicherheitsmann in einem Club über Wasser. Doch der ist jetzt erst einmal eine ganze Weile geschlossen, wegen Renovierungsarbeiten. Da erhält er ein ungewöhnliches Jobangebot: Der Pianist Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) plant eine Tournee im tiefsten Süden der USA, was für einen Schwarzen im Jahr 1962 ein erhebliches Risiko bedeutet. Tony soll ihn dabei begleiten, als Fahrer für ihn arbeiten und jeden Ärger von ihm fernhalten. Richtig verlockend klingt das zunächst nicht, denn das bedeutet Monate von seiner Familie getrennt zu sein. Am Ende lässt sich der einfache Arbeiter dann aber doch darauf ein und begibt sich auf die Reise seines Lebens.
Für die einen ist es ein rührender Film über eine Freundschaft, die keine Gräben kennt, und ein Plädoyer für Toleranz. Für die anderen eine zynische Selbstbeweihräucherung, die eine reale Geschichte für Feel-Good-Konventionen missbraucht und dabei Rassentrennung aus Sicht eines weißen Helden zeigt. Wer sich damit abfinden kann, dass Green Book berechenbar, mutlos und historisch verfälschend ist, kann hier aber tatsächlich Spaß haben und sich das Herz wärmen lassen, gerade auch dank der beiden spielfreudigen Hauptdarsteller. Trotz Auszeichnungen seinerzeit mit 3 Oscars für Film, Drehbuch und Nebenrolle ist dies bereits kurz nach der Verleihung nicht gut gealtert. The Favourite und Roma wären definitiv verdienter gewesen.


PLATZ 09: CODA (2021)
Das Leben der 17-jährigen Ruby (Emilia Jones) ist maßgeblich von ihrer Familie geprägt. Nicht nur, dass sie die einzige ist, die hören und sprechen kann, weshalb sie immer wieder als Dolmetscherin für ihre Eltern Jackie (Marlee Matlin) und Frank (Troy Kotsur) einspringen muss. Sie muss diesen und ihrem älteren Bruder Leo (Daniel Durant) zudem auf dem Fischerboot zur Hand gehen, mit dem sich die Familie finanziell über Wasser hält. Dabei würde sie viel lieber singen. Tatsächlich hat sie dabei auch Talent, wie ihr der Schulchorleiter Bernardo Villalobos (Eugenio Derbez) attestiert. Bestätigung findet sie auch bei Mitschüler Miles (Ferdia Walsh-Peelo), der ebenfalls im Chor ist und für sie bald mehr wird als nur ein Freund. Und doch fällt es ihr schwer, sich zwischen ihrer Leidenschaft und der Verpflichtung ihrer Familie gegenüber zu entscheiden…
CODA erzählt von einer Jugendlichen, die als einzige in ihrer Familie hören kann und davon träumt, auf der Bühne zu singen. Das Remake des französischen Hits „Verstehen Sie die Béliers?“ versteht sich dabei in erster Linie als Wohlfühlunterhaltung, weswegen das manchmal alles recht einfach ausfällt. Wer sich nicht daran stört, findet ein schönes und sympathisch gespieltes Drama für trübe Tage. Ausgezeichnet wurde das Feel-Good-Movie mit 3 Oscars (Film, Drehbuch und Nebendarsteller), die allesamt The Power of the Dog aber in dem Jahr verdienter gehabt hätte.


PLATZ 08: Nomadland (2020)
Fern verkauft nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihrer Heimatstadt ihren Besitz und zieht als moderne Nomadin in einem Van quer durch die USA zieht. Dabei trifft sie auf eine Gemeinschaft von Menschen, die sich bewusst gegen das traditionelle Leben entscheiden und stattdessen Freiheit und Unabhängigkeit suchen…
Die Mischung aus dokumentarischem Realismus und erzählerischer Fiktion verarbeitet Themen wie Verlust, Trauer, Gemeinschaft und die Suche nach einem neuen Zuhause war während der Corona-Pandemie der Film zur rechten Zeit und bot eine Perspektive auf Resielenz und Hoffnung. Regisseurin Chloé Zhao gelang es, die Landschaften, die Lebensgeschichten und die Emotionen ihrer Protagonisten so authentisch einzufangen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, Teil dieser Reise zu sein. Frances McDormand liefert eine zurückhaltende, aber kraftvolle Darstellung, die der Figur Fern eine tiefe Menschlichkeit verleiht. Einen dritten Darstelleroscar musste es für McDormand dafür nun nicht geben. Da hätten alle nominierten Damen es verdienter gehabt, allen voran Carey Mulligan und Andra Day. Die beiden weiteren Oscars für Film und Regie gehen allerdings in Ordnung, auch wenn ich The Father, Minari und auch Mank für würdiger erachte.


PLATZ 07: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (2017)
Bislang war das Leben von Elisa (Sally Hawkins) eigentlich nicht besonders aufregend gewesen. Ihre Freizeit verbringt sie meistens damit, mit ihrem älteren Nachbarn Giles (Richard Jenkins) fernzusehen. Und ihre Arbeit ist zwar bei einem streng geheimen Forschungslabor. Doch nur als Putzkraft. Als sie und ihre Kollegin Zelda (Octavia Spencer) eines Tages herbeigerufen werden, um nach einem Zwischenfall sauberzumachen, entdecken sie ein seltsames Amphibienwesen, welches das Militär versteckt. Während Laborleiter Strickland (Michael Shannon) nur wenig übrig hat für die seltsame Kreatur, fühlt sich Elisa schnell zu dem Unterwassermann hingezogen. Aber die Zeit drängt. Nicht nur die Amerikaner, auch die Russen sind hinter dem Wesen her und wollen verhindern, dass es in die falschen Hände gerät.
Comeback gelungen! Nach diversen eher enttäuschenden Filmen zeigt sich Guillermo del Toro hier wieder in sehr guter Form. Für den einstigen Horrormeister ist „Shape of Water“ erstaunlich positiv, ein Feel-Good-Märchen für Erwachsene. Aber eben ein sehr sehenswertes: Wenn in seiner bezaubernd altmodischen und doch seltsamen Romanze Fisch und Mensch zusammenfinden, dann ist das eins der schönsten Plädoyers für Toleranz, die zuletzt gedreht wurden. Ausgezeichnet mit 4 Oscars für Film, Regie, Ausstattung und Filmmusik. Bis auf Film, den Three Billboards meines Erachtens am meisten verdient gehabt hätte, gönne ich Del Toro den Triumph, den er schon für Pans Labyrinth verdient gehabt hätte.


PLATZ 06: Spotlight (2015)
Marty Baron (Liev Schreiber), gerade neu in die Stadt gezogen und zum Chefredakteur des Boston Globes ernannt worden, da erweckt eine Geschichte sein Interesse: Ein katholischer Priester soll Kinder missbraucht haben. Ein heißes Eisen, das niemand so recht anfassen möchte, zu sehr ist die Kirche mit der Stadt verbunden. Baron lässt sich davon aber nicht abschrecken. Mehr noch, er setzt sein Investigativteam von „Spotlight“ auf die Sache an: Walter Robinson (Michael Keaton), Michael Rezendes (Mark Ruffalo), Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams) und Matt Carroll (Brian D’Arcy James) sollen herausfinden, was der Sache dran ist. Doch je mehr die vier recherchieren, umso stärker häufen sich die Hinweise, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt.
Ein Missbrauchsdrama, in dem die Täter gar nicht, die Opfer kaum auftreten, ist das nicht ein wenig trocken? Tatsächlich geht einem das hervorragend gespielte, etwas altmodische Spotlight gerade durch seine nüchterne Erzählweise und den Verzicht auf vorgeschobene Emotionalität nahe, lässt einen oft fassungslos zurück. Ausgezeichnet mit 2 Oscars für Film und Drehbuch ist Spotlight ein würdiger Gewinner, auch wenn mich emotional Raum und inszenatorisch Mad Max: Fury Road und The Revenant mehr abgeholt haben.


PLATZ 05: Oppenheimer (2023)
Schon während seines Studiums merkt J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy), dass die Grenzen der Physik, wie er sie beigebracht bekommt, in den Hörsälen und Seminaren eine Neuordnung nötig hat. Er reist nach Europa, um an den Universitäten in Großbritannien und Deutschland zu lernen und beginnt, einen Ansatz zu formulieren, der tatsächlich als revolutionär gilt und Oppenheimer zu einem enormen Ruf in der Physik verhilft. Wieder in seiner Heimat, den USA, stehen ihm zahlreiche Posten an Universitäten offen und er zementiert seine Reputation durch verschiedene Arbeiten, unter anderem über schwarze Löcher und das Universum.
Als sein Kollege, der Atomphysiker Ernest Lawrence (Josh Hartnett), beginnt, an einem Projekt für die Regierung zu arbeiten, soll auch Oppenheimer hinzugezogen werden, jedoch werden seine Beziehungen zu liberalen und linkspolitischen Gruppierungen als Hindernis angesehen. Als er sich von diesen lossagt, wird er, mit Unterstützung von Lieutenant Leslie R. Groves (Matt Damon), als Leiter des Manhattan-Projekts eingesetzt. Mit vielen seiner Kollegen arbeitet Oppenheimer fortan an der Entwicklung der ersten Atombombe, die als Abschreckung gegenüber Hitler-Deutschland zunächst gelten soll. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn die Deutschen sind ebenso mit der Forschung an einer solchen Bombe beschäftigt…
Oppenheimer ist die Biografie des bekannten Wissenschaftlers, die sich auf dessen Bedeutung für die Entwicklung der Atombombe konzentriert, sowie den Versuch auf politischer Seite, ihn zu diskreditieren. Christopher Nolan, bekannt für seine große Bilder, gelingt zum größten Teil die Komplexität des Themas, der Wissenschaft und seiner Hauptfigur gerecht zu werden. Das Mammutprojekt wurde mit 7 Oscars (Film, Regie, Hauptdarsteller, Nebendarsteller, Filmmusik, Kamera und Filmschnitt) gewürdigt. Kann man machen, auch wenn es in dem Jahr mit Poor Things und Past Lives die beeindruckenderen Film auf der Liste gegeben hat.


PLATZ 04: Moonlight (2016)
Es ist eine alles andere als schöne Kindheit, die Chiron (Alex R. Hibbert) da hat. Ohne Vater wächst er auf, seine drogenabhängige und unberechenbare Mutter Paula (Naomie Harris) ist auch nicht unbedingt dazu geeignet, dem 9-Jährigen Halt zu geben. Den findet er dafür bei dem Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe), die sich fürsorglich um ihn kümmern. Auch als Teenager (Ashton Sanders) muss sich Chiron eine Menge gefallen lassen, wird von anderen unterdrückt. Besonders schwierig wird es, als er seinem Mitschüler Kevin (Jharrel Jerome) näherkommt. Jahre später hat Chiron (Trevante Rhodes) die Demütigungen hinter sich, ist nun selbst ein starker Mann, der sein Geld mit Drogengeschäften verdient. Da bringt ihn ein unerwarteter Anruf von Kevin (André Holland) aus dem neu gefundenen Lebenskonzept…
Das zurecht überall gefeierte Indie-Drama erzählt in drei Episoden von dem Aufwachsen eines homosexuellen Farbigen. Hört sich speziell an, ist aber eine kunstvoll inszenierte und mitreißend gespielte Erinnerung daran, was es heißt Mensch zu sein, zu zweifeln, zu suchen und zu lieben. 3 Oscars gab es für Film, Nebendarsteller und Drehbuch.


PLATZ 03: Anora (2024)
Die 23-jährige Ani (Mikey Madison) verdient sich ihr Geld als Stripperin in einem Club in New York City. Dabei kommt ihr nicht nur ihr gutes Aussehen zugute. Auch die Russischkenntnisse sind sehr nützlich, haben sie doch sehr viel russische Klientel. Zu dieser zählt auch Vanya (Mark Eydelshteyn), der als Sohn eines mächtigen russischen Oligarchen nach Belieben mit Geld um sich werfen kann. Der ist hin und weg von der selbstbewussten, zwei Jahre älteren Frau, bestellt sie immer wieder zu sich, um gegen Geld Sex mit ihm zu haben. Doch Vanya will mehr als das: Er überredet sie dazu, eine Woche nur für ihn zur Verfügung zu stehen und sich als seine Freundin auszugeben. Dieses Angebot lässt sich Ani nicht entgehen, die beiden haben auch jede Menge Spaß, ziehen von einer Party zur anderen. Als die zwei spontan entscheiden, in Las Vegas zu heiraten, überschreiten sie aber eine Grenze, was die Familie des Liebestollen nicht akzeptieren will…
Anora erzählt von einer Stripperin, die von einem Leben in Luxus träumt, als sie einen russischen Milliardärssohn kennenlernt. Doch die Beziehung endet in einem gewaltigen Chaos. Hier bekommt man im Grunde 3 Filme in einem und obwohl sich die Tonalität des Werkes 2 Mal komplett ändert, passt alles wunderbar zusammen. Zurecht ausgezeichnet mit 5 Oscars für Film, Regie, Hauptdarstellerin, Drehbuch und Filmschnitt, erhielt Sean Baker mit 4 Oscars die Meisten, die je ein Filmschaffender in einem Jahr erhalten hat.


PLATZ 02: Everything Everywhere all at Once (2022)
So richtig toll läuft es bei Evelyn Wang (Michelle Yeoh) nicht gerade. Die Ehe mit ihrem Mann Waymond (Ke Huy Quan) kriselt schon seit Längerem. Zu ihrer Tochter Joy (Stephanie Hsu) findet sie keinen Draht mehr. Ihrem eigenen Vater (James Hong) konnte sie es ohnehin nie recht machen. Und dann auch noch das: Der Waschsalon der Familie bringt mehr Ärger als Geld, vor allem mit der Steuerbehörde. Wenn sie nicht irgendwie ihre Sachbearbeiterin Deirdre Beaubeirdra (Jamie Lee Curtis) auf ihre Seite ziehen kann, drohen sie alles zu verlieren, was sie sich im Laufe der Jahre aufgebaut haben. Dass ihr Mann auf dem Weg zur Behörde plötzlich so komische Sachen von sich gibt und davon faselt, dass sie die Welt retten muss, kann sie daher absolut nicht gebrauchen. Doch dann stellt sie fest, dass hinter dem vermeintlichen Unsinn mehr steckt, als sie ahnte, und diese Welt einige Überraschungen für sie bereithält. Unter anderem die, dass sie nicht die einzige ist …
Everything Everywhere All At Once nimmt das im Science-Fiction-Bereich beliebte Konzept der Parallelwelt und macht daraus einen der schönsten und menschlichsten Filme, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Einfallsreiche Actionszenen und aberwitzige Szenarien treffen auf eine emotionale Geschichte über die Bedeutung von Familie, existenzielle Selbstzweifel bis hin zu Depressionen und darüber, was es heißt ein Mensch zu sein in einer Welt, die keinen Sinn ergibt – und auch nicht ergeben muss. Ausgezeichnet mit 7 Oscars (Film, Regie, Hauptdarstellerin, Nebendarsteller, Nebendarstellerin, Drehbuch und Filmschnitt) waren alle bis auf Nebendarstellerin hochverdient.


PLATZ 01: Parasite (2019)
Schon seit Längerem läuft es bei Familie Kim nicht mehr rund. Arbeit hat keiner von ihnen, Geld sowieso nicht. Eigentlich können sie sich nicht einmal die schäbige Kellerwohnung leisten, in der sie zu viert hausen. Da erhält Sohn Ki-woo (Woo-sik Choi) die Möglichkeit, als Lehrer im Haus der reichen Geschäftsmanns Dong-ik Park (Sun-kyun Lee) und seiner Frau Yeon-kyo (Yeo-Jeong Cho) anzufangen. Das ist schon eine große Erleichterung für die Kims, aber letztendlich nicht genug. Und so tüfteln Vater Ki-taek (Kang-ho Song), dessen Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) und Tochter Ki-jung (So-dam Park) an Möglichkeiten, wie sie auch von dem Reichtum der Parks profitieren können, und zeigen sich dabei ebenso erfinderisch wie skrupellos…
Mit Parasite kehrte Joon-ho Bong zu seinen Wurzeln zurück und zeigt mit einer Mischung aus Satire, Drama und Thriller eine ungerechte Gesellschaft, zahlreiche Wendungen inklusive. Die Geschichte um eine Familie, die sich bei einer anderen einschleicht, ist ebenso unterhaltsam wie nachdenklich. Der Film, der Oscargeschichte schrieb, als erster und bislang immer noch einziger fremdsprachiger Film, der den Hauptpreis bei den Oscars einheimsen konnte, erhielt insgesamt 4 Oscars (Film, Regie, Drehbuch und internationaler Film) und hätte noch weitere für Ausstattung, Schnitt und für zwei Darsteller aus dem Ensemble verdient gehabt, aber auch so gilt er völlig zurecht als wichtigster und bester Gewinner der letzten 20 Jahre. Well done!



10. Coda
9. Green Book
8. Nomadland
7. Shape of Water
6. Spotlight
5. Moonlight
4. Anora
3. Parasite
2. Oppenheimer
1. Everything Everywhere all at Once