Rezensionen Masters of the Universe – Double (1987 & 2026)

Masters of the Universe – Double (1987 & 2026)

He-Man war Anfang der 80er ein echtes Phänomen. Die Spielzeuge und die Trickfilmserie war ein Riesenerfolg und genießt bis heute Kultstatus. Das aus solchen Erfolgskonzepten Filme entstehen ist nichts Neues, so war es auch 1987, aber überraschend war dann schon, dass nach fast 30 Jahren später wie aus dem Nichts ein neuer He-Man-Film auf die Leinwand kam und so schnell wie er kam auch schon wieder aus dem Kino verschwand. Jedoch entpuppt er sich gerade als Weltweiter Streaming-Erfolg und führt seit Tagen die Top 10 bei Prime an. Well done!

Zeit beide Adaptionen genauer unter die Lupe zu nehmen. Leider gibt es die Trickfilmeserie (1983-85) aktuell nur auf Joyn zu sehen, so dass darauf wenig Bezug genommen werden kann. Als Kind mochte ich diese jedoch sehr gerne und werde, wenn sich die Gelegenheit bietet, aufarbeiten. Lange Rede kurzer Sinn, hier sind meine Rezensionen zu den Verfilmungen von 1987 und 2026. Viel Spaß damit!

Amazon MGB Studios / Masters of the Universe

Masters of the Universe (2026)

Als Kind musste Prinz Adam (Nicholas Galitzine) mitansehen, wie seine Eltern von Skeletor (Jared Leto) verschleppt wurden und seine Heimat Eternia erobert wurde. Er selbst kam mit seinem Leben davon, die mächtige Zauberin (Morena Baccarin), welche über das Schloss Grayskull und das Land wacht, teleportierte ihn in eine fremde Welt. Dummerweise verlor er dabei aber das magische Schwert, welches der Schlüssel zur Macht ist. Jahrelang suchte er danach, aber vergeblich. Erst 15 Jahre später, aus dem Jungen ist ein junger Erwachsener geworden, wird er doch noch fündig. Die Freude über den Fund währt aber nicht lang. Kurze Zeit später steht seine alte Freundin Teela (Camila Mendes) vor ihm, aber auch die Gegenseite hat mitbekommen, dass das Schwert wieder da ist. Ehe Adam es sich versieht, ist er zurück auf dem fernen Planeten und muss sich als Held beweisen, obwohl er dafür nicht gemacht ist…

Wie im Einführungstext angeteasert führte als Kind in den 1980ern quasi kein Weg an den Spielfiguren vorbei. He-Man, Skeletor und all die anderen waren nicht zuletzt wegen der kultigen Zeichentrickserie überall. Seither ist viel geschehen, das Franchise hat so manche Höhen und Tiefen erlebt. In den letzten Jahren hat es mehrere Animationstitel gegeben, die versuchten, an die alten Erfolge anzuschließen. Die Ergebnisse waren aber gemischt, zumal die ein oder andere kontroverse Entscheidung getroffen wurde. Nach jahrelangem hin und her steht nun auch mal wieder ein Live-Action-Film an, der mit viel Aufwand, bekannter Besetzung und auf der großen Leinwand daherkommt. Das ist durchaus ein Wagnis. Nicht nur, dass das Franchise nicht mehr ganz taufrisch ist und man sich immer wieder fragt, ob es überhaupt noch so viele Fans gibt. Zudem ist da ja noch Masters of the Universe, die ebenso kultige wie katastrophale erste Live-Action-Adaption von 1987, die zeigte: Als Realfilm ist die Vorlage nur schwierig umzusetzen. Dazu aber später mehr!

Amazon MGB Studios / Masters of the Universe

Dabei ließ man es sich nicht nehmen, eine Anspielung auf eben diesen „Vorgänger“ einzubauen. Und es ist nicht die einzige: Der Film ist vollgepackt mit Easter Eggs, an denen sich ein kundiges Publikum erfreuen darf. Das heißt aber nicht, dass das hier einer dieser reinen Fanservice-Titel ist, die ihren Reiz allein aus der Nostalgie ableiten. Vielmehr versuchte man bei Masters of the Universe den Spagat, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Das betrifft nicht nur das Maß an Vorkenntnissen, wenn hier prinzipiell sowohl erfahrene Zuschauer und Zuschauerinnen wie auch Neulinge willkommen sind. Es betrifft auch das Alter. Ursprünglich waren die Spielzeuge und die Zeichentrickserie für Kinder gedacht. Der neue Film will sowohl heutige Kinder wie auch die damaligen Kinder, die heute Erwachsene im mittleren Alter sind, ansprechen. Tatsächlich sind in dem Film immer wieder Witze drin, die definitiv nicht für Kinder gedacht sind.

Überhaupt überrascht das Ausmaß an Humor, welches Regisseur Travis Knight, der schon beim Transformers Spin-off Bumblebee sein Faible für 80er-Jahre Spielzeug demonstrierte, eingebaut hat. Schon der Einstieg, wenn Adam als vermeintlicher Nerd völlig deplatziert in der Welt der Menschen unterwegs ist, ist für zahlreiche Lacher gut. Der Film setzt da auf einen klassischen Fish-out-of-Water-Humor. Später macht sich Masters of the Universe aber auch über das Franchise an sich lustig, findet etwa eine Begründung dafür, warum die Figuren alle so bescheuerte Namen haben. Manchmal ist der Schritt zur Karikatur nicht mehr weit, wenn der Film in erster Linie eine (Meta-)Komödie wird. Das mit der Balance klappt nicht immer so ganz.

Amazon MGB Studios / Masters of the Universe

Überhaupt ist manches hier nicht ganz ausgegoren. Schade ist beispielsweise, dass der pazifistische Ansatz des Helden eine bloße Behauptung bleibt, in der Hinsicht wäre mehr Konsequenz gut gewesen. Außerdem ist die Laufzeit mal wieder recht lang, mehr als zwei Stunden hätte es dann doch nicht gebraucht. Und trotz der spöttischen Ansätze: Masters of the Universe ist ein klassischer Popcorn-Blockbuster, der an vielen Stellen konventionell bleibt. Aber es ist eben ein tatsächlich spaßiger Blockbuster, der sehr viel besser ist, als man das im Vorfeld hätte erwarten dürfen. Vor allem die Filmmusik von Daniel Pemperton und Queen Guitarist Brian May ist so gut, sie könnte tatsächlich auf der Shortlist der Oscar-Academy landen. Das hier vieles überzogen ist, das Ensemble auch vor Overacting nicht zurückschreckt, ist ebenso wenig ein Problem wie die künstliche Optik. Der Film fängt auf seine Weise gut ein, wie hanebüchen die Vorlage war, und ist dabei doch auch eine ernst gemeinte Liebeserklärung an den Quatsch.

Fazit: Masters of the Universe folgt einem deplatzierten Prinzen im Exil zurück auf einen fremden Planeten, den er vor dem Bösen retten muss. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Spielzeuge aus den 1980ern, nimmt diese aber auch immer wieder auf den Arm. Das ist zu lang und nicht ganz ausgegoren – aber doch ein überraschend großer Spaß und darf gerne eine Fortsetzung mit sich ziehen. Vielleicht kommt das go nach dem überbordenen Streamingerfolg, auch wenn er an den Kinokassen enttäuschte.

Winkler Film / Masters of the Universe

Masters of the Universe (1987)

Lange hat He-Man (Dolph Lundgren) den teuflischen Skeletor (Frank Langella) erfolgreich bekämpfen können und damit seinen Heimatplaneten Eternia beschützt. Doch nun scheint auch seine übermenschliche Kraft nicht mehr auszureichen. So hat Skeletor das Schloss Grayskull in seine Gewalt gebracht und die Zauberin (Christina Pickles) gefangen genommen. Bei dem Versuch, mit dem Teleportationsschlüssel des Erfinders Gwildor (Bill Barty), dem Soldaten Man-at-Arms (Jon Cypher) und dessen Tochter Teela (Chelsea Field) das Schloss wieder zu befreien, landen sie bei ihrer überhasteten Flucht auf der Erde, wo sie den Schlüssel verlieren. Dort wird er von dem Teenagerpärchen Julie (Courteney Cox) und Kevin (Robert Duncan McNeill) aufgelesen, das aber keine Ahnung hat, womit sie es zu tun haben. Während He-Man und die anderen fieberhaft nach dem verlorenen Schlüssel suchen, um nach Eternia zurückzukehren, ist Skeletor nicht untätig. Seine rechte Hand Evil-Lyn (Meg Foster), eine mächtige Hexe, sowie seine Schergen reisen nun ebenfalls zur Erde, um den Schlüssel an sich zu bringen…

Dass die Spielzeugindustrie und die Filmindustrie eng zusammenarbeiten, ist kein Geheimnis. Oft geht es dabei darum, Spielzeuge zu erfolgreichen Filmen zu verkaufen. Bei manchen Filmen hat man sogar den Eindruck, dass sie nur des Verkaufs von Spielzeugen wegen gedreht wurden. Aber es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall, dass beliebte Spielzeuge auf die große Leinwand geholt werden. Berühmte Beispiele sind u.a. Transformers: Aufstieg der Bestien, sowie Barbie der es schaffte zum erfolgreichsten Film seines Jahres zu werden. Ein Selbstläufer sind solche Live-Action-Interpretationen bekannter Plastikfiguren aber nicht, wie das äußerst unrühmliche Beispiel Masters of the Universe aufzeigt. 1987 mit großen Erwartungen gestartet, wurde der Leinwandauftritt der Heldentruppe zu einem ziemlichen Flop.

Winkler Film / Masters of the Universe

Warum der Film so baden ging, hat unterschiedliche Gründe. Zum einen war die Popularität der 1982 gestarteten Spielzeugreihe bereits stark am Sinken. Die enorm beliebte Zeichentrickserie He-Man and the Masters of the Universe war 1985 bereits zu Ende gegangen, die Spin-off-Serie She-Ra: Princess of Power über He-Mans Zwillingsschwester lag ebenfalls in den letzten Zügen. Zum anderen hat Masters of the Universe mit der Vorlage auch einfach recht wenig zu tun. Das betrifft die Gestaltung der Figuren. Zwar tauchen eine ganze Reihe von Fan-Lieblingen auf, sowohl auf der Helden- wie der Schurkenseite. Kaum jemand davon ist jedoch als Live-Action-Variante wiederzuerkennen. Bei He-Man selbst geht das Ergebnis noch in Ordnung, auch wenn Dolph Lundgren (Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts) nicht unbedingt eine Idealbesetzung ist. Bei Man-At-Arms, Teela, der Zauberin oder auch Beast Man muss man schon wissen, wer sie sein sollen.

Aber auch inhaltlich bewegt sich das Abenteuer sehr weit weg von dem, was man als Fan gewohnt war. So spielt der Film nur recht kurz auf Eternia. Viel zu sehen ist von dem fremden Planeten auch nicht. Stattdessen erzählt Masters of the Universe, wie die Helden auf der Erde unterwegs sind. Magie und fantastische Wesen gibt es dort natürlich nicht. Dafür gibt es den übereifrigen Polizisten Hugh Lubic (James Tolkan), der wie die anderen Erdenmenschen nicht wirklich versteht, was da gerade vor sich geht. Aus diesem Kontrast dieser beiden grundverschiedenen Welten hätte man sicherlich einiges machen können, gerade auch in humoristischer Hinsicht. Im Gegensatz aber zu Wonder Woman, bei dem ebenfalls die reale Welt und eine Fantasiewelt aufeinandertreffen, gibt es praktisch keinerlei Fish-out-of-Water-Humor.

Winkler Film / Masters of the Universe

Gebraucht hätte es den vielleicht nicht für einen guten Film. Da es aber auch keine nennenswerten Actionszene gibt, bleibt da einfach nicht viel übrig, wofür sich das Einschalten lohnt. Drehbuchautor David Odell, der zuvor an der Muppet Show und Der dunkle Kristall arbeitete, tat weder sich noch dem Publikum einen Gefallen. Einen gewissen trashigen Charme hat das Ganze schon, auch weil es komplett an dem vorbeigeht, was die Vorlage eigentlich ausmachte. In Folge hat Masters of the Universe ähnlich wie das vergleichbar entgleiste Super Mario Bros. einen Kultstatus erlangt. Der Auftritt von Frank Langella als Skeletor ist aber geradezu legendär. Der Synthie-Soundtrack vom berühmten Komponisten Bill Conti kann sich hören lassen und trägt zu der 80er-Jahre-Atmosphäre bei. Auch aus nostalgischen Gründen kann man sich das daher anschauen. Wer aber regulär unterhalten werden möchte, kann sich die Reise sparen. Das Abenteuer ist bizarr und albern, anstatt Spannung zu erzeugen.

Fazit: Masters of the Universe war von Fans heiß erwartet und ging doch unter. Das lag nicht nur an der rapide sinkenden Popularität der zugrundeliegenden Spielzeuge, sondern auch daran, dass der Film kaum etwas mit dem Original zu tun hat. Da das Fantasyabenteuer um eine Heldentruppe, die es auf die Erde verschlägt, weder Humor noch spannende Action vorzuweisen hat, ist das Ergebnis mehr als mäßig. Und doch hat dieser bizarre Missgriff einen gewissen trashigen Charme, der ihn zu einem späteren Kultfilm machte.

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