
Während das Slasher-Genre in den 70er- und 80er-Jahren mit so ikonischen Filmen wie Halloween, Freitag der 13. oder The Texas Chainsaw Massacre seine Hochphase hatte, gab es ab Anfang der 90er eine kleine Flaute, was solche Filme angeht, die Leute hatten sich wohl einfach daran sattgesehen. Da hat Wes Craven (Nightmare on Elm Street) die Gelegenheit genutzt, um dem Genre einen neuen Anstrich zu verpassen. Klar, im Grunde verläuft auch die Scream-Reihe nach demselben Prinzip, wie all die früheren Slasher auch schon: Ein maskierter Killer (in diesem Fall Ghostface) macht Jagd auf Teens an einer High School und eine Figur macht eine Entwicklung im Film durch, wird zum Final Girl und geht gestärkt aus den Vorkommnissen hervor. Allerdings baut Craven hier, im Unterschied zu seinen Vorbildern, auch eine Meta-Ebene ein. Gleichzeitig macht sich der Film nämlich über die ganzen Horrorfilmklischees, denen er sich selbst bedient, lustig, und schafft damit einen gekonnten Mix aus Horrorfilm-Parodie und klassischem Grusel/Slasher. Einige Szenen können einen durchaus das Fürchten lehren, wie die Anfangs-Sequenz mit den verstörenden Telefonanrufen oder wenn uns der Killer plötzlich hinter einer unerwarteten Ecke überrascht. Auf der anderen Seite kommt aber auch der Humor nicht zu kurz, was zu einem gelungenen Gesamtbild beiträgt, das sich selbst nicht ganz ernst nimmt.
Auch das Mitraten, wer der Killer sein könnte, verleiht dem Ganzen noch einen spannenden Krimi-Aspekt. Die gute Machart, kreative Kills und den meist überraschenden Finale runden die Filme ab. Wer von sich behauptet, Horrorfan zu sein, kommt an dem Franchise definitiv nicht vorbei. Welcher ist aber der Beste der Reihe? Und wie würde ich die anderen im Scream-Kosmos positionieren? Hier erfahrt ihr es. Gerne könnt ihr auch euer Ranking im Kommentarfilm posten. Würde mich freuen! Und nun, ab dafür… Lets Schlitz!

PLATZ 7: Scream VII
Nachdem sie jahrelang von Ghostface-Killern und noch länger von ihren Traumata verfolgt wurde, hat sich Sidney Prescott (Neve Campbell) weit weg von Woodsboro, Kalifornien, ein neues Leben aufgebaut. Zusammen mit ihrem Mann und örtlichen Polizeichef Mark (Joel McHale) und ihrer Tochter Tatum (Isabel May) führt sie dort ein ruhigeres Dasein. Nach einem brutalen Doppelmord in Woodsboro und einer Reihe verdächtiger Anrufe droht ihre Vergangenheit sie einmal mehr einzuholen und macht sie und ihre Familie erneut zum Ziel eines alten Bekannten.
Der Weg zu Scream 7 war von Beginn an von Turbulenzen geprägt. Nach öffentlichen Kontroversen, der Entlassung von Melissa Barrera, dem Ausstieg von Jenna Ortega und dem daraus resultierenden kreativen Richtungswechsel stand das Projekt zeitweise unter keinem guten Stern. Dass schließlich mit Kevin Williamson einer der ursprünglichen Autoren die Regie übernahm, wirkte weniger wie ein kalkulierter Neustart als wie der Versuch, das ins Wanken geratene Franchise erneut zu stabilisieren.

Neben Williamson und Ghostface gibt es einen weiteren wiederkehrenden Faktor innerhalb der Scream-Reihe: Selbstironie und hält dem Genrekino einen Spiegel vor. Dabei beschränkt sich das Franchise nicht nur auf klassische Horrortropen, sondern spielt erneut mit der filmischen Metaebene. In einer Bar sind Mindy und Chad Meeks-Martin zusammen mit Tatum und ihren Freunden kurz davor, die vierte Wand einzureißen, und debattieren einmal mehr die Identität der Mörder und des Franchises als Ganzes. Während in Scream 2 die Regeln eines Sequels erklärt wurden, in Scream 3 jene einer Trilogie, in Scream 4 Innovation durch neue Charaktere verhandelt wurde, in Scream 5 das Reboot im Vordergrund stand und in Scream VI die Franchisebildung sowie ein urbaner Settingwechsel, ist das Stilmittel der Wahl für Scream 7 Fanservice via Nostalgiefaktor.
Passend dazu eröffnet Scream 7 mit einem Abstecher nach Woodsboro in das Haus, in dem alles begann. Der ehemalige Wohnort von Stu Macher wird inzwischen im Rahmen einer Erlebnistour als Airbnb vermietet. Ghostface-Attrappen, Kunstblut und unheimliche Anrufe versprechen ein authentisches Stab-Erlebnis. Zwar verweilt der Film dort nicht lange, liefert dadurch aber einen Bezugspunkt für Neueinsteiger und einen Moment der Erinnerung für etablierte Fans. Zeitgleich ist das Leben von Sidney Prescott-Evans zum ersten Mal seit Jahren verdächtig ruhig. Verschont von der Mordserie in New York ist ihr größtes Problem, einen Zugang zu ihrer jugendlichen Tochter zu finden. Genervt vom Beschützerinstinkt ihrer Mutter versucht Tatum, Schule, Theater, Freund und Freundeskreis unter einen Hut zu bringen, ohne ständige Bevormundung.

Scream 7 schafft einen familiären Rahmen, der nach kürzester Zeit aufgebrochen wird, als Mutter und Tochter getrennt nach Antworten oder Schutz suchen. Währenddessen versucht sich der Film erneut an Metakommentaren und Aktualitätsbezügen. Künstliche Intelligenz liefert einen zeitgenössischen Bezug und gleichzeitig eine alternative Möglichkeit des Versteckens ohne Ghostface-Maske. Trotz neuer Ebene bleibt die Essenz des Schauerlebnisses die gleiche. Dialogzeilen der Figuren über die Identität des Killers erlauben wie immer Raum zur Spekulation. Scream 7 verliert sich allerdings in seinem Versuch der narrativen Irreführung und Erwartungsunterlaufung des Publikums und versäumt sich auf einen guten schlüssigen Plot und plausiblen Reveal zu fokussieren. Der Reveal, samt Motivation, ist leider auch der mit Abstand (!) schwächste der gesamten Reihe und zieht den Film deutlich runter, was bedauerlich ist, denn das Opening war klasse und auch einige Kills wissen mit erhöhtem Gore-Faktor zu gefallen, aber so bildet der 7. Teil das Schlusslicht des Franchises.



PLATZ 6: Scream VI
Im sechsten Teil sind Sam (Melissa Barrera), ihre jüngere Schwester Tara (Jenna Ortega) und die mit ihnen befreundeten Zwillinge Mindy (Jasmin Savoy Brown) und Chad (Mason Gooding) nach New York gezogen, nachdem sie die Ereignisse aus Teil 5 überlebt haben. Dort wollen die drei Jüngeren studieren und ihre Erfahrungen hinter sich lassen, während es Sam in erster Linie darum geht, ein wachsames Auge auf Tara zu haben – sehr zu deren Leidwesen. Doch auch wenn die vier in einer neuen Stadt wohnen, werden sie von der alten Geschichte verfolgt. Und das wortwörtlich, denn auch in New York treibt sich jemand in dem bekannten Kostüm herum und ermordet zahlreiche Menschen…
Ein bisschen klang es ja nach einer Verzweiflungstat, als bekannt wurde, dass es einen neuen Teil von Scream geben würde. Während die zwischen 1996 und 2000 veröffentlichte Trilogie sich großer Beliebtheit erfreute, waren die Reaktionen auf Scream 4 2011 eher verhalten. Die Horrorreihe, welche anfangs auf innovative Weise klassische Slasher-Geschichten mit Selbstironie und Meta-Kommentaren kombinierte, schien am Ende zu sein. Doch (der neue) Scream markierte 2022 nicht nur im Bezug auf den Titel eine Rückkehr zu den Anfängen. Auch qualitativ und kommerziell war das Comeback gelungen. So hatte man das Prinzip der Originale beibehalten und nahm dabei das Konzept der Requels aufs Korn, eine Mischform aus Remake und Sequel. Schließlich ist bei heutigen Franchises die Grenze fließend. Erlaubt ist irgendwie alles, es muss auch nicht unbedingt Sinn ergeben.

Das zeigt sich auch beim sechsten Teil, der unmittelbar nach dem Erfolg des fünften angegangen wurde. Anstatt konsequent die Zählung fortzusetzen, also einen zweiten Scream 2 zu machen, ist der neue auch offiziell Nummer sechs. Aber es passt doch zu einem Film, der irgendwie Kraut und Rüben ist, bei dem Vergangenheit und Gegenwart durcheinandergeworfen werden, bis man schon gar nicht mehr weiß, wo das Original aufhört und das Zitat eines Zitats beginnt. Das geht erneut mit Nostalgie einher, wenn es in dem Film lauter Verweise auf die vorangegangenen Filme gab sowie die eine oder andere filmische Entwicklung außerhalb des Franchises. Eine Nostalgie, die im selben Atemzug in Frage gestellt wird.
Das funktioniert auch beim sechsten Anlauf gut. So dürfen sich Fans wie gewohnt auf eine Mischung aus Horror, Komödie und Krimi freuen, wenn den ganzen Film hindurch spekuliert wird, wer denn nun dieses Mal hinter der Ghostface-Maske lauert. Grundsätzlich sind dann alle irgendwie verdächtig, was sie sich gegenseitig auch spüren lassen, zur Freude des Publikums. Zum Teil wird man zwar erahnen können, was die Auflösung ist. Zum Teil ist es auch sehr überraschend – was auch damit zusammenhängt, dass die Geschichte genaugenommen völliger Blödsinn ist.

Weniger spaßig ist die mangelnde Konsequenz in dem Film. Man kann schon gar nicht mehr mitzählen, wie oft eine der Figuren Ghostface niederschlägt und dann panisch davonläuft, anstatt vielleicht mal die Waffe an sich zu nehmen oder anderweitig aktiv zu werden. Das ist gerade bei den „alten Hasen“ ärgerlich, die von sich behaupten, alles zu wissen, und sich dann doch genregerecht dämlich zu verhalten. Schade ist auch der Film an zu vielen Stellen zu sehr auf Nummer sicher geht. Was hätte der Teil genial werden können, wenn man nach der Enthüllung eines potentiellen Ghostface-Killers am Ende von der ersten Szene geblieben wäre und der Zuschauer somit von Anfang die Identität eines der Killer gewusst hätte. Soviel Potential verschenkt. Daraus hätte man richtig starke Szenen und Plottwists kreieren können. Sowohl wenn dieser zu sehen als auch mal nicht zu sehen gewesen wäre. Gerade weil Mindy so betont, dass an diesem Punkt im Franchise alles möglich ist, enttäuscht die Mutlosigkeit des Drehbuchs.
Kann man darüber hinwegsehen, dass das hier trotz allem recht formelhaft ist, steht dennoch gute Unterhaltung an. Der Wechsel des Schauplatzes von der Kleinstadt Woodsboro hin zum Big Apple funktioniert indes sehr gut. Das Ensemble – zu denen auch Liana Liberato, Jack Champion und Josh Segarra als Mitstreitende und Mitverdächtige zählen – ist sympathisch und lässt einen darüber hinwegsehen, dass das hier nicht gerade ein sonderlich frischer Teil der Reihe ist. Die fetten Abzüge muss ich neben dem mangelndem Mut aber auch den sich dümmlich verhaltenden Figuren machen. Spaß macht die New-York-Ausgabe des ironischen Meta-Slashers aber dennoch, gerade auch wegen des sympathischen Ensembles. Der Reveal ist allerdings total vorhersehbar und das Verhalten der Ghostface-Killer nach deren Offenbarung dermaßen Banane, dass er den vorletzten Platz, trotz herausragender U-Bahn-Sequenz leider verdient hat, wobei der nächste Platz auch an diversen Aspekten kränkelt.



PLATZ 5: Scream 3
Der dritte Teil muss härter, größer, besser werden als die beiden vorhergehenden Filme! Das denken sich auch John Milton (Lance Henriksen) und Roman Bridger (Scott Foley), die als Produzent bzw. Regisseur von Stab 3 agieren, dem dritten Teil jener Filmreihe, die auf den „Woodsboro-Morden“ in Sidney Prescotts Heimatstadt basiert. Die Dreharbeiten finden in Hollywood unter strenger Geheimhaltung statt. Doch dann werden mehrere Mitglieder der Besetzung nacheinander ermordet. Das ruft nicht nur den früheren Polizisten Dewey Riley (David Arquette) auf den Plan, der als Berater auf dem Filmset arbeitet. Auch seine Ex-Frau, die Reporterin Gale Weathers (Courteney Cox), eilt natürlich sofort zum Filmstudio, um von dort zu berichten. Und obwohl Sidney (Neve Campbell) sich eigentlich zurückgezogen hatte, um ein ruhiges Leben zu führen, wird auch sie bald wieder in die Ereignisse hineingezogen. Die drei alten Freunde treffen in Hollywood nicht nur aufeinander, sondern auch auf ihre Alter Egos aus der Besetzung von Stab 3. Vor allem Gale ist davon sichtlich irritiert, kann sie es doch gar nicht ertragen, dass ihr auf einmal eine Doppelgängerin (Parker Posey) an den Fersen hängt. Zumal ja überall der unbekannte Mörder lauern kann und wirklich jeder verdächtig ist…
Das Konzept der Scream-Reihe, den Kern an Hauptfiguren in jedem Film mit einer neuen Gruppe von Nebencharakteren zu umgeben, ist an sich ziemlich clever. Denn so gibt es Film für Film immer wieder genug mögliche Mordopfer, ohne dass Sidney, Dewey oder Gale ins Gras beißen müssen. Aber bevor man mit diesen neuen Figuren mitfühlen kann, müssen sie vor allem glaubwürdige, dreidimensionale Charaktere sein. Die Nebencharaktere bleiben dieses Mal jedoch von wenigen Ausnahmen abgesehen äußerst farblos. Überwiegend ist das nicht den Schauspielern anzulasten, die ihre Sache wie zum Beispiel Emily Mortimer wirklich gut machen. Das Drehbuch von Ehren Kruger, der dieses Mal für Kevin Williamson übernahm, liefert ihnen ganz einfach wenig gutes Material. Regisseur Wes Craven und die Produzenten des Films haben offen darüber gesprochen, dass während der Dreharbeiten Szenen häufig noch am Drehtag um- oder ganz neu geschrieben wurden. Diese Inkonsistenz und die mehrmaligen Richtungswechsel in der Handlungs- und Figurengestaltung merkt man dem Film leider deutlich an.

Dabei ließe sich aus der Idee, das bereits mit Scream 2 begonnene Film-im-Film-Konzept noch weiter zu führen, ja eigentlich recht viel machen. Die Doppelung der Hauptfiguren durch ihre Stab-Alter Egos sowie die Rückkehr zu Schauplätzen und Szenen der früheren Filme in Form von Filmsets gäbe eine endlose Reihe an Möglichkeiten für Meta-Spielereien her. Davon macht das Drehbuch aber zu wenig Gebrauch. Der Witz und die Aha-Effekte verpuffen recht schnell. Scream 3 verkommt immer mehr zu einem herkömmlichen Slasher-Film, dem das Doppelbödige der ersten beiden Teile (und auch der nachfolgenden Sequels) über weite Strecken fehlt. Eine der seltenen Ausnahmen bildet eine Szene, in der einer der Nebendarstellerinnen von Stab 3 genau jenes Schicksal widerfährt, das auch für ihre Film-im-Film-Rolle vorgesehen war. Dabei verschwimmen die Realitäten auf gelungene Weise.
Es ist dennoch nicht alles schlecht: Auf Altmeister Wes Craven ist auch im dritten Anlauf noch Verlass. Die Szenen, in denen der (oder die?) Mörder seine Opfer verfolgt und niedermetzelt, sind nach wie vor spannend inszeniert und sorgen immer wieder für einen steigenden Puls. Allerdings ist wohl in keinem anderen Film der Reihe so vorhersehbar, wer unter der Ghostface-Maske steckt. Positiv hervorzuheben ist wiederum die Beziehung zwischen Gale und Dewey. Die beiden sind mittlerweile wieder getrennt und haben sich voneinander entfremdet (während Courteney Cox und David Arquette tatsächlich kurz vor den Dreharbeiten geheiratet hatten). Ihre erste Begegnung nach langer Zeit fühlt sich real an und ist gefühlvoll geschrieben und gespielt.

Auch dieses Mal gibt es wieder eine Szene, in der die Regeln erklärt werden – in diesem Fall die Regeln eines dritten und die Trilogie abschließenden Films. Nicht nur muss dabei alles noch größer und extremer ausfallen, es müssen auch neue Informationen über bekannte Figuren oder Ereignisse aus früheren Filmen ans Licht kommen, die in der Rückschau für Verblüffung sorgen. Das gelingt hier eher mäßig, was gar nicht so sehr an der geringen Glaubwürdigkeit der geschilderten Fakten liegt (denn darum geht es in einer Slasher-Reihe wie Scream eigentlich eher selten). Vielmehr trauen sich sowohl die Regie als auch einige Darsteller nicht, hier wirklich aufs Ganze zu gehen. Hingegen ist die Enthüllung inzwischen eine meiner Liebsten, vor allem die Verknüpfung zu den ersten beiden Teilen finde ich gelungen.
Scream 3 bietet immer wieder viele Ansätze, um richtig gut zu sein, lässt viele davon jedoch nahezu wirkungslos verpuffen. Die Inszenierung ist immer wieder nervenzerreißend und man fiebert zumindest mit den bekannten Figuren mit. Dafür bleiben aber die meisten Nebenfiguren enttäuschend blass. Die Dialoge sind längst nicht so clever und rasant wie noch in Teil eins und zwei. Insgesamt wirkt hier vieles einfach viel zu gezwungen und nicht zu Ende gedacht. Das macht insgesamt immer noch Spaß, hat aber eben immer wieder auch Leerläufe. Parker Posey als Double von Gale und Patrick Dempsey als von Anfang an verdächtig wirkender Polizist sind die einzigen neuen Charaktere, die wirklich Eindruck hinterlassen (wenn man von dem skurrilen Gastauftritt von Carrie Fisher einmal absieht). Damit bildet Scream 3 den schwächsten Teil der erster fünf Filme, aber deutlich besser als die letzten beiden Einträge der Reihe.



PLATZ 4: Scream (5)
Eigentlich hatte es sich Tara (Jenna Ortega) gerade erst daheim gemütlich gemacht, als sie ein Telefonanruf aufschreckt. Am anderen Ende vermutet sie den neuen Freund ihrer Mutter, nur um nach einiger Zeit festzustellen, dass ein irrer Killer an der Leitung ist, der sie angreift. Die Jugendliche überlebt, liegt anschließend aber schwer verletzt im Krankenhaus. Das wiederum ist Anlass für ihre entfremdete Schwester Sam (Melissa Barrera), zusammen mit ihrem Freund Richie (Jack Quaid) nach Woodsboro zurückzukehren, obwohl sie ihre alte Heimat nie wiedersehen wollte. Als es kurze Zeit später zu einem erneuten Angriff kommt, schließen sich die drei nicht nur mit Taras Freundeskreis zusammen, um einen Plan zu entwickeln. Sie suchen außerdem die Hilfe von dem inzwischen pensionierten Sheriff Dewey Riley (David Arquette), der wie kaum jemand sonst weiß, wie man dem Ghostface Killer begegnet…
Das Hollywood gern Fortsetzungen dreht, ist kein sonderlich neues Phänomen. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass es mehr Franchises gibt als Originaltitel. Dennoch ist es schon auffällig, wie sehr die Traumfabrik in den letzten Jahren auf Fanservice und Nostalgie setzt. Ob Star Wars, Ghostbusters, Top Gun oder Spider-Man, das wird schon recht ungeniert mit „weißt du noch…“ Kasse gemacht. Mit Scream wird nun die nächste Leiche exhumiert, in der Hoffnung, an vergangene Erfolge anschließen zu können. Die Skepsis war hier besonders groß. Zum einen war die Reihe schon beim letzten Film vor über zehn Jahren nicht mehr ganz taufrisch. Durch den Tod von Wes Craven, der die vier Teile inszeniert hatte, wirkte das umso mehr wie Leichenfledderei.

Andererseits war Scream nie einfach nur eine Horrorreihe, sondern gleichzeitig immer ein Kommentar über das eigene Genre. Geradezu legendär war das im ersten Teil, wenn die im Slasher-Bereich versierten Figuren Regeln zum eigenen Überleben aufstellen und dadurch regelmäßig auf eine Meta-Ebene wechseln. Dieses Gimmick nutzte sich mit der Zeit natürlich ab, ist aber beim fünften Film tatsächlich wieder eine Stärke. Denn dieses Mal geht es nicht allein um die Konventionen dieses Genres, die aufgegriffen und fleißig kommentiert werden. Stattdessen macht man sich allgemein über solche Legacy-Reboot-Fortsetzungen lustig und greift auch eine interessante Entwicklung des Horrorfilms auf. Inzwischen gibt es einen Grabenkampf zwischen Traditionalisten, die in erster Linie Spannung und Unterhaltung wollen, und einem Publikum, das mehr Inhalt und Relevanz will. Die früh im Film erwähnten It Follows und Der Babadook folgen dann eben doch anderen Regeln.
Die beiden stärker dem Arthouse zugewandten Teile sind nur zwei von vielen Verweisen auf das real existierende Horrorgenre. Vor allem zu Beginn setzt Scream schon extrem auf Namedropping, wenn alle möglichen Kollegen zitiert werden, von den 80ern bis heute. Sonderlich clever ist das nicht. Hin und wieder scheint es auch mehr darum zu gehen, eine Liste abzuarbeiten, anstatt tatsächlich eine Geschichte zu erzählen. Aber es macht Spaß, zumindest sofern man zur Zielgruppe gehört. Diese sollte sich nicht nur im Genre selbst auskennen, sondern auch in der Historie der Scream-Reihe. Da wird unentwegt auf die vorangegangenen Teile verwiesen, sei es direkt oder über Umwege. Die zuvor eingeführte Film-im-Film-Reihe Stab gibt es noch immer und wucherte auf eine Weise, wie man sie eben nur in diesem Filmsegment findet.

Im Gegensatz zu anderen Nostalgie-Exzessen ist man sich hier aber immer bewusst, was man da tut. Es gelingt auch besser als bei so manch anderen, dieses Bedürfnis zu bedienen, ohne sich groß verrenken zu müssen. Durch die charakteristischen Meta-Elemente ist das alles recht gut integriert. Allerdings können sich die Drehbuchautoren James Vanderbilt (Murder Mystery) und Guy Busick (Castle Rock) nie so ganz entscheiden, ob sie die Klischees nun auseinandernehmen oder bestätigen wollen. Auch das ist nicht neu bei der Reihe, führt hier aber zu mehreren ärgerlichen Situationen. Einerseits sind die Figuren so versiert und wissen genau, was sie tun müssen, nur um dann in entscheidenden Momenten doch die dümmste Reaktion zu wählen. Wenn beispielsweise der bewusstlose Killer am Boden liegt und mehrere Leute drumherum sind, sollte es nicht schwierig sein, Ghostface dann auch wirklich festzuhalten, die Waffen wegzunehmen oder wenigstens die Maske abzunehmen. Stattdessen rennen sie wieder weg. Hinzu kommen Kampfszenen, in denen die Opfer sich sehr wehrhaft zeigen und dann doch nie konsequent sind.
Dennoch ist dem Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot) ein Eintrag in der Reihe geglückt, welches dem Erbe und dem großen Namen tatsächlich würdig ist. Die neuen Figuren schlagen sich selbst bei dem gemeinsamen Szenen mit den Urgesteinen wacker. Sehr schön sind auch die Paranoia-Szenen, wenn jeder jeden verdächtigt, der Killer zu sein, und die verschiedensten Szenarien durchgespielt werden, wer es sein könnte. Auf diese Weise macht Scream selbst dann Spaß, wenn der nostalgische Unterbau entfernt wird. Teilweise wird da schon geschickt mit Erwartungen gespielt. Auch wenn der neueste Teil keine wirklich neuen Impulse mit sich bringt und letztendlich nur die beliebte Formel variiert, das Ergebnis überzeugt. Da hier wie beim klassischen Whodunnit-Krimi bis zum Schluss offenbleibt, wer dieses Mal hinter der kultigen Ghostface-Maske steckt, darf auch kräftig spekuliert und gerätselt werden. Und das eine oder andere Mal mitgezittert, wenn die Jagd wieder eröffnet wurde.
Scream orientiert sich an den Anfängen der Horrorreihe und bringt sie auf den neuesten Stand, wenn mal wieder ein maskierter Killer sein Unwesen treibt. Das ist nicht der billige Aufguss, der im Vorfeld zu befürchten war, sondern ein tatsächlich spaßiger Teil. Wer sich nicht zu sehr über die zum Teil mangelnde Konsequenz der Figuren aufregt und mit dem exzessiven Namedropping leben kann, wird gut unterhalten – vor allem wenn mal wieder mit Konventionen gespielt wird.



PLATZ 3: Scream 4
In der bekannten “Screamhauptstadt” findet der inoffizielle Jahrestag der Woodsboro-Morde statt. Die Laternenmasten sind als Ghostface verkleidet und das Highlight dieses Festivals ist der geplante Stabathon, in dem alle sieben Teile, vor ausgewähltem Publikum gezeigt werden. Sidney Prescott (Neve Campbell) die ihre traumatischen Erfahrungen mit dem Serienkiller mittlerweile durch das Schreiben einer Autobiografie verarbeitet hat, sieht dem fragwürdigen Hype zunächst recht locker entgegen. Doch als in dem Kofferraum ihres Autos blutverschmierte Plakate, ein Mobiltelefon und die Mordwaffe in Form eines Messers gefunden werden, scheint sich nicht nur für Sidney ein neuer Horror anzubahnen.
Auch im vierten Teil der Reihe führt wieder Wes Craven Regie und das merkt man. Nicht nur, dass die altbekannten Darsteller wieder zusammengetrommelt wurden, auch die Vorgehensweise der Killer, sowie das Set sind eine Hommage an die ersten Teile. Lediglich die Darstellung von Gewalt hat noch ein wenig zugelegt, ist stellenweise jedoch ein wenig zu übertrieben, um der Realität treu zu bleiben. A propos Realismus, dieser wird bei Scream 4 auch sonst ganz klein geschrieben, somit sollte man den Großteil seines Gehirns mit etwas Anderem beschäftigen, wenn man sich in die Tiefen der Materie stürzt. Neve Campbell nimmt die Sache mit dem Serienkiller diesmal ziemlich locker und hat den einen oder anderen guten Arschtritt für die maskierte Bedrohung parat. Frei nach dem Motto „jetzt ist es bereits dreimal gut gegangen, wieso sollte es jetzt anders sein?“

Die Geschichte ähnelt wie bereits angedeutet der des Ersten Scream, wenn auch die Killerauswahl, sowie dessen Motiv, dieses Mal noch fragwürdiger erscheint als in vergangenen Zeiten. Zu Beginn hatte ich geglaubt, es handle sich hier um etwas bahnbrechend Neues, da sich der Film selbst ins Lächerliche zieht, indem er seine Fortsetzungen bis zu Teil 7 präsentiert und dabei ein Part dämlicher ist als der andere. Diese Selbstironie bleibt auch noch erhalten, wenn der eigentliche Film startet und den einen oder anderen Lacher kann man sich tatsächlich nicht verkneifen. Noch vor der zweiten Halbzeit, kippt aber die Verwunderung über soviel düsteren Humor leider sehr schnell ins Lächerliche. Ab diesem Zeitpunkt verhält sich der Streifen genau wie die Vorgänger, übernimmt Dinge eins zu eins und es wirkt schlicht so, als wollte Craven nur mal der neuen Generation in einer Art Best Of zeigen, was diese zu den guten alten Scream 1-Zeiten so verpasst hat.
Wer gerne noch einmal eine aufgemotzte Version der Ursprungsversion sehen will, wird hier bestens unterhalten werden. Ich hoffe dennoch, dass dies nur noch einmal ein Versuch der Wiederbelebung war und es Wes Craven dabei belassen wird. Bei einer der gestellten Fortführungen im Film selbst, wurde als Produzent Robert Rodriguez angegeben, vermutlich nur Fiktion, aber durchaus eine interessante Idee.



PLATZ 2: Scream 2
Zwei Jahre nach der Mordserie in ihrer Heimatstadt Woodsboro versucht Sidney Prescott (Neve Campbell), wieder ein normales Leben zu führen. Sie ist inzwischen Studentin, hat einen größtenteils neuen Freundeskreis und eine neue Beziehung mit Derek (Jerry O’Connell). Als aber während einer Kinovorführung von Stab – der Verfilmung der in Scream gezeigten Woodsboro-Morde – zwei Studenten von Sidneys College ermordet werden, stürzt sich nicht nur die Presse auf die Ereignisse. Auch ein neuer „Ghostface“-Mörder treibt sein Unwesen. Neben der Fernsehreporterin Gale Weathers (Courteney Cox), die auf heiße Stories und exklusive Interviews hofft, kommt auch Polizist Dewey Riley (David Arquette) in die Stadt, um Sidney zu beschützen. Doch der Mörder findet weitere Opfer…
Nicht einmal ein Jahr hat es nach dem Riesenerfolg von Scream – Schrei! gedauert, bis 1997 in den USA die Fortsetzung ins Kino kam. Das lag auch daran, dass Drehbuchautor Kevin Williamson schon vor der Fertigstellung des ersten Films eine Idee für ein Sequel vorgelegt hatte. Angesichts einer so schnell hinterher geschobenen Fortsetzung könnte man ja durchaus skeptisch werden, was deren Qualität betrifft. Doch derartige Zweifel sind hier nicht nur unbegründet, der Film macht sich auch – in einer Fortführung der Meta-Diskussionen aus Teil eins – gekonnt darüber lustig, dass Fortsetzungen meist schlechter sind als das Original.

Einmal mehr ist es hier Randy (Jamie Kennedy), der die Spielregeln von Horrorfilmen und deren Fortsetzungen erklärt, wenn er etwa mit anderen Studenten während eines Filmseminars darüber diskutiert. Einen doppelten Boden weist der Film auch bereits in seiner herrlichen Einstiegssequenz auf, die in einem Kino spielt, wo der Film-im-Film Stab seine Premiere hat. Wenn Jada Pinkett als genervte, nur von ihrem Freund mit in den Film geschleppte Kinobesucherin sich beschwert, dass es in Horrorfilmen nur um weiße Menschen geht und solche Filme generell blöd und unrealistisch sind, dann kann man sich als erfahrener Film-Nerd ein Grinsen nicht verkneifen. Zusätzlich bekommt man die berühmte Eröffnungsszene aus Teil eins noch einmal neu verfilmt mit Heather Graham in der Drew Barrymore-Rolle zu sehen, was das Ganze noch spaßiger macht.
Die Eröffnungsszene hat bereits alles, was auch den gesamten Film auszeichnet: Sie ist spannend inszeniert, bietet clevere Dialoge und thematisiert immer wieder sich selbst bzw. das Horrorfilmgenre an sich. Damit setzt sie den Ton für den Film, der danach erst einmal zur Ruhe kommt und seine Hauptfiguren (wieder) einführt. Natürlich währt die Ruhe nicht lange, schnell wird eine Bedrohungssituation aufgebaut und dem Film gelingt es sehr gut, den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten hinsichtlich der Identität des Mörders zu locken.

Alle drei Hauptfiguren bekommen hier ausreichend zu tun bzw. werden vor allem alle drei in lebensbedrohliche Konfrontationen mit dem Mörder gebracht. Von den anderen Figuren wissen vor allem Liev Schreiber als schnell verdächtigter Cotton Weary, Duane Martin als Gales neuer Kameramann, der nicht fassen kann, in welche Gefahr ihn sein Job bringt, und Laurie Mecalf als eiskalte und verbissene Lokalreporterin zu begeistern. Für Abwechslung gesorgt ist durch den Schauplatzwechsel; während sich Teil eins in den Straßen und Häusern von Woodsboro abspielte, ist es nun der College Campus, auf dem sich nicht nur der Mörder, sondern auch Regisseur Wes Craven austoben – zum Beispiel bei einer hervorragend inszenierten, hochspannenden Szene, in der der Mörder bei Tageslicht in einem dicht bevölkerten Park zuschlägt.
Der Regie ist es auch zu verdanken, dass der Puls der Zuschauer immer wieder so weit in die Höhe schnellt, dass sie sich über Logiklöcher kaum Gedanken machen können. Denn Ungereimtheiten gibt es durchaus, sie fallen aber nicht weiter ins Gewicht. Zu sehr ist man damit beschäftigt, sich über die Identität des Mörders den Kopf zu zerbrechen oder mit den Figuren mitzuleiden, wenn sie wieder einmal in Todesangst vor ihm davonrennen. Zusätzlich werden einige der Charaktere nachvollziehbar weiterentwickelt, wovon vor allem die Beziehung von Dewey und Gale sowie Liev Schreibers Figur profitieren. Scream 2 ist also alles andere als ein schwaches Sequel, sondern mindestens so gut wie Teil eins und steht ihm was die Spannung und Effektivität seiner Slasher-Sequenzen angeht, in nichts nach.
Fortsetzungen sind eben nicht immer schlechter als das Original! Autor Kevin Williamson, Regisseur Wes Craven und eine wunderbar zusammengestellte Besetzung machen auch aus dem zweiten „Scream“-Film eine fast perfekte Mischung aus Grusel, Rätselraten, Hochspannung und Meta-Humor.



PLATZ 1: Scream – Schrei!
Die kalifornische Kleinstadt Woodsboro ist eine beschauliche Gemeinde, in der die Gärten makellos sind und die Reihenhäuser adrett aufeinander abgestimmt. Doch mit der Idylle ist nach der Ermordung der Schülerin Casy Becker Schluss: Nicht nur, dass seit dem Ereignis die Medien wie auch die Polizei auf der Woodsboro Highschool ein und aus gehen, eine Ausgangssperre setzt dem Partytreiben ebenfalls ein Ende. Derweil ist Sidney (Neve Campbell) schockiert darüber, wie ihre Freunde auf die blutige Tat reagieren, wobei sich die derben Späße Stuarts (Matthew Lillard) abwechseln mit dem Versuch des Cineasten Randy (Jamie Kennedy) die Taten des Mörders im Rahmen bekannter Erzählmuster in Horrorfilmen zu betrachten. Nur ihre beste Freundin Tatum (Rose McGowan) hält zu ihr und steht ihr bei, während ihr Schwarm Billy (Skeet Ulrich) vor allem auf eine Chance hofft, die Beziehung zu Sidney auf die nächste Stufe zu bringen.
Der Mörder hat es aber anscheinend auf Sidney abgesehen, denn nur knapp kann sie einem Anschlag auf ihre Leben entgehen, was sie nicht nur interessant für die Polizei macht, die sofort Tatums Bruder, Deputy Dwight Riley (David Arquette), genannt „Dewey“, zu ihrem ständigen Begleiter machen, sondern auch für Reporter wie Gale Weathers (Courteney Cox). Schließlich ist es Weathers, die eine Verbindung sieht zwischen dem Mord an der Schülerin und der Ermordung von Sidneys Mutter.

Laut seiner eigenen Aussage war es ein junger Fan, der Regisseur Wes Craven eines Tages fragte, wann er denn endlich wieder einen „richtigen Film“ mache, was dessen Rückkehr zum Horrorgenre beschloss. Ursprünglich hatte Craven die Regie abgelehnt, auch wenn ihn die Geschichte des zunächst mit Scary Movie betitelten Drehbuchs Kevin Williamsons durchaus interessierte. Mit Scream – Schrei! legte er schließlich nicht nur einen der besten und erfolgreichsten Filme der 1990er Jahre hin, sondern gab seiner Karriere neuen Antrieb, wobei die Parallelen zu seinen früheren Werken, insbesondere den Nightmare on Elm Street-Filmen nicht zu übersehen sind. Heute, 25 Jahre nach seinem Kinostart, ist Scream nach wie vor wichtiger Film des Genres, der dank einer Neuauflage in 4K nicht nur in neuem Glanz erstrahlt, sondern zugleich deutlich macht, wie aktuell er nach wie vor ist.
Als besonderes Aushängeschild für Cravens Film gilt bis heute die Meta-Ebene der Geschichte, welche sich nicht nur bewusst auf andere Vertreter des Genres bezieht, sondern diese in vielerlei Hinsicht abstrahiert. Auf der einen Seite mag man dies mit den Filmen eines Quentin Tarantino vergleichen, ebenfalls wichtige Filme des Jahrzehnts, welche sich auf der einen Seite als eine Hommage an andere Werke der Filmgeschichte verstanden, diese jedoch innerhalb eines modernen Erzählrahmens in die Gegenwart katapultierten. Im Falle von Cravens Films sind dies nicht einfach nur Erwähnungen von Werken wie Der Exorzist, Carrie – Das Satans jüngste Tochter oder Halloween – Die Nacht des Grauens. Vielmehr scheinen sich die Figuren dieser Geschichten und Figuren bewusst zu sein, von ihnen geprägt zu sein und sich, mit Ausnahme der von Neve Campbell gespielten Sidney Prescott, einem Stereotyp anzunähern. Medien und Filme sind wichtige Texte, welche diese Jugend ausmachen, sind Wege des Verstehens und gleichzeitig eine Abkapselung von den Erwachsenen, die in Scream, wie auch den Fortsetzungen, ohnehin keine große Rolle spielen und ihre Söhne und Töchter ohnehin nicht verstehen.

Dabei bleibt Scream der Formel dieser Filme treu, ist sich dieser aber auch gleichzeitig bewusst, was zum großen Teil die Attraktivität der Geschichte ausmacht. Aus heutiger Sicht jedoch erscheinen diese Bezüge noch in einem ganz anderen Licht, denn das Ausweichen auf ein fiktionales Narrativ wirkt auch wie eine Form der emotionalen Distanzierung. Gerade vor diesem Hintergrund wirken Szenen wie die in der Schule, welche die schockierten Schüler zeigen sowie die lange Reihe von Journalisten und Polizisten, wie Bilder, die leider schon Ende der 1990er eine traurige Wirklichkeit wurden nach einer ganzen Reihe von Amokläufen an Schulen. Der Murder-Mystery-Plot erhält so eine seltsam aktuelle Note, besonders wenn er die unterschiedlichen Reaktionen auf den Mord zeigt, bei denen Witze und Bezüge zu Horrorfilmen unbeholfene Mittel darstellen, der Tat einen Sinn zu geben oder diese in ein Narrativ zu betten.
Darüber hinaus ist Scream nach wie vor ein exzellentes Beispiel für einen Ensemble-Film. Nicht nur Neve Campbell weiß zu überzeugen in der Hauptrolle, auch Courteney Cox und David Arquette, sowie Drew Barrymore in einer der wohl bekanntesten Filmszenen der 90er Jahre, legen Akzente. Daneben ist auch die Filmmusik Marco Beltramis eine wahre Bereicherung für den Film, betont die spannenden, die humorvollen wie auch die schockierenden Momente dieses Filmes.

Wie bei vielen Franchises ist der erste Teil in der Regel der Beste und auch Scream – Schrei! ist da keine Ausnahme, wobei vor allem die Sequels 2, 4 und 5 für mich auch richtig gelungen sind und man sich die anderen 3 auch gut anschauen kann, wenn man von ein paar kleinen Defiziten einmal absieht. Teil 1 jedoch sticht als ein zeitlos guter und nach wie vor unterhaltsamer Slasherfilm hervor. Wes Cravens schuf mit Scream vor 30 Jahren einen echten Horrorklassiker, der auch nach all den Jahren durch seine Figurenzeichnung, dem ausgefeilten Drehbuch mit seinen vielseitigen Verweisen, der Filmmusik von Marco Beltrami und überraschend starken Darbietungen zu übezeugen weiß! Danke Wes!



