BAFTA,Bester Internationaler Film,Kino,Rezensionen Bitteres Fest (OT: Amarga Navidad)

Bitteres Fest (OT: Amarga Navidad)

© El Deseo

Zum inzwischen dritten Mal erhielt Pedro Almodóvar im vergangenen Mai eine Einladung im Rahmen der Festspiele an der Côte d’Azur, musste sich allerdings im Rennen um die „Goldene Palme“ der rumänisch-norwegischen Produktion „Fjord“ geschlagen geben. Wie schon öfter in der Vergangenheit ließ sich der Kastilier auch im Falle von „Bitteres Fest“ von einer nur wenige Seiten umfassenden Kurzgeschichte anregen und fügte ihr unverkennbar semi-autobiographische Elemente hinzu. Aus diesem Grund überrascht es, dass das Werk sich durch ein ungewöhnlich hohes Maß an Komplexität sowie Konzeptreichtum auszeichnet und auf zwei Zeitebenen, 2004 und 2026, angesiedelt ist und gewissermaßen ein in ein Drehbuch eingebettetes Drehbuch im Drehbuch illustriert.

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Sowohl die Inszenierung, optische Stilistik als auch die Personenkonstellation, in deren Zentrum der unter Schreibblockade leidende Raúl sowie die in der Werbebranche tätige Elsa, die ihrerseits von Migräneattacken geplagt wird, stehen, erinnert wiederholt an „Leid & Herrlichkeit“. Die Phrase „Die Fiktion ist nicht dazu da, jemanden zu retten.“ fällt zwar erst inmitten eines furiosen Rededuells im Schlussakt, wird aber zum bestimmenden Motor, zu dem die Handlung konsequent hinstrebt. „Bitteres Fest“ erzählt kurz vor Weihnachten davon, dass Mitmenschen als Inspirationsquelle fungieren, ohne dass sie explizit davon wissen oder es ihnen bei Erkenntnis dessen recht wäre. Gedreht in Madrid und auf Lanzarote, verbirgt die Hochglanz-Optik in gesättigten Farbtönen, an denen selbst Salvador Dali seine Freude bekundet hätte, nicht die zugrundeliegenden, geschundenen Seelenlagen der Beteiligten, welche sich insbesondere in Szenen voller gewollter Entschleunigung entfalten. Als Knackpunkt erweist sich dabei, dass das dargebotene, symbolhafte Sprechen vom eigenen Selbst in der dritten Person bisweilen etwas überkonstruiert, deprimierend und selbstgefällig anmutet.

© El Deseo

Entschädigung für dieses Manko bieten jedoch der Soundtrack aus der Feder von Alberto Iglesias, der mittlerweile seit 7 Jahren als exklusiver Stammkomponist von Almodóvar arbeitet, sowie eine ausnahmslos starke Ensemble-Leistung. „Muy fabuloso“ sind neben Bárbara Lennie & Leonardo Sbaraglia ganz besonders die Leistungen die Nebencharaktere, denen es gelingt, mit nur einer Handvoll Szenen starke Akzente zu setzen. Die Performance von Patrick Criado, welcher als aufopferungsvoller, in seiner Freizeit als Stripper arbeitender Partner zur tragischen Figur avanciert, sticht darin besonders hervor.

© El Deseo

Letzten Endes ist „Bitteres Fest“ ein souveränes, in handwerklichen Belangen sogar fast makelloses Werk, das jedoch aufgrund seiner sporadischen Kopflastigkeit nicht an die emotionale Wucht von Almodóvars Vorgängerwerken „Leid & Herrlichkeit“ sowie „Parallele Mütter“ heranreicht. Nichtsdestotrotz überwiegen die Vorzüge des Arthaus-Films, der spürbar nicht beansprucht, der Masse gefallen zu wollen, bei Weitem. Pedro Almodóvars mittlerweile 25. Produktion in Spielfilmlänge stellt daher einen weiteren, wertvollen Beitrag des Kinos made in España dar, der aber ein gewisses Maß an Einlassungswillen erfordert.

ES 2026 – 111 Minuten
Regie: Pedro Almodóvar
Genre: Drama
Darsteller: Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit

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