
Schon seit einer ganzen Weile ist Bear (Michael Johnston) in seine Kollegin Nikki (Inde Navarrette) verschossen. Doch auch wenn sein bester Kumpel Ian (Cooper Tomlinson) dazu drängt, er bringt es einfach nicht übers Herz, ihr seine Gefühle zu gestehen. Als er mal wieder einen Anlauf wagt und erneut scheitert, benutzt er das „One Wish Willow“ selbst, das Wünsche erfüllen soll und das er eigentlich ihr hatte schenken wollen. Sein Wunsch: Nikki soll ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt. Tatsächlich scheint sich dieser Wunsch zu erfüllen, als die Angebetete auf einmal deutlich anhänglicher wird und ihm ihre Liebe offenbart. Doch es dauert nicht lange, bis sie ein eigenartiges Verhältnis an den Tag legt und Bear die Sache doch irgendwie unheimlich wird…
Das es manchmal besser ist, wenn sich Wünsche nicht erfüllen, ist bekannt. Das kennen wir nicht nur aus dem realen Leben, sondern auch aus diversen Genrefilmen. Nun sorgt mit Obsession – Du sollst mich lieben ein weiterer Film für Furore, wo die Erfüllung eines Wunsches hässliche Folgen hat. Eines vorweg: Natürlich ist das Grundszenario hier nicht sehr originell. Schnell ahnt man in welche Richtung das alles geht. Dass da irgendwas mit diesem vermeintlichen Wünschespielzeug nicht stimmt, wird früh angedeutet. Schließlich erzählt die Verkäuferin von vielen Leute, die unzufrieden mit dem Ergebnis sind. Und auch wenn Obsession – Du sollst mich lieben schon mit der einen oder anderen Erwartung spielt oder Wendungen einbaut, der eigentliche Ablauf ist nicht so wirklich überraschend. Hinzu kommt, dass der Film mit fast zwei Stunden ein bisschen zu lang geworden ist. Da ist schon die eine oder andere Stelle, die Geduld einfordert.
Und doch ist das hier einer der sehenswertesten Horrorfilme der letzten Zeit geworden, der nicht ohne Grund ohne Ende gehypt wird. Neben der sehr guten Besetzung sticht gerade der hohe Unterhaltungswert hervor. Beispielsweise hat der Film immer mal wieder Momente, die so grotesk werden, dass das Publikum laut lachen darf. Die zunehmende Eskalation, wenn das alles immer verheerender ist, sorgt für Spaß. Fans brutalen Horrors werden zeitweise auch bedient, wenn es physisch richtig zur Sache geht. Manches ist dann vielleicht doch etwas überzogen, weil das Ergebnis nicht mehr realistisch wirkt. An anderen Stellen sind die plötzlichen Ausbrüche von Gewalt aber durchaus effektiv.

Das hört sich alles ein bisschen nach einem anspruchslosen Fun-Horror an. Doch damit würde man dem Film nicht gerecht werden. So hat Regisseur und Drehbuchautor Curry Barker durchaus einiges zu sagen. An manchen Stellen darf man sich an den letztjährigen Kollegen Together – Unzertrennlich erinnert fühlen, bei dem es ebenfalls um Paarbeziehungen und wechselseitige Abhängigkeiten ging. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Übergriffigkeit. Auch wenn Bear nicht damit rechnen konnte, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, so zwingt er doch seinem Schwarm seinen Willen auf. Nikki wird in Obsession – Du sollst mich lieben zu einem Wesen ohne eigenes Mitspracherecht degradiert, das mit der ursprünglichen unabhängigen Frau nur noch das Gesicht gemeinsam hat. Anknüpfungspunkte an die reale Welt gibt es da mehr als genug, gerade im Hinblick auf Geschlechterbilder und das Thema Einverständnis. Der größte Horror ist dann auch nicht der, der mit dem Fantasy-Element zusammenhängt, sondern der, der in der Wirklichkeit seine Wurzeln hat.
Fazit: Im Horrorthriller Obsession – Du sollst mich lieben wünscht ein hoffnungsloser Romantiker sich mit einem geheimnisvollen Spielzeug, dass seine große Liebe seine Gefühle endlich erwidert. Damit handelt er sich jedoch mehr ein, als erwartet. Der grundsätzliche Ablauf des Horrorfilms ist zwar altbekannt. Doch er ist unterhaltsam, sehr gut gespielt, hat eine fabelhafte Regie und hat darüber hinaus deutlich mehr zu sagen, als man zunächst meint. Starkes Regiedebüt und eine wunderbare Parabel in Bezug auf toxisches männliches (Beziehungs-)Verhalten und Co-Abhängigkeiten in Paarbeziehungen, die zum Äußersten führen.


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