Kinostart,Rezensionen Verity – Dunkle Geheimnisse (OT: Verity)

Verity – Dunkle Geheimnisse (OT: Verity)

© Amazon MGM Studios

Nicht weniger als fünf Filme mit Beteiligung von Anne Hathaway flimmerten in Summe im Laufe des Jahres 2026 über die Leinwände. Im Gedächtnis blieb vor allem die grandiose Darbietung im hellenistischen Epos „Die Odyssee“, die bereits für eine weitere Oscarnominierung gehandelt wird. Nun übernahm sie den Hauptpart in der Verfilmung des Romans Colleen Hoover „Verity“, der im ersten Covid-Pandemiejahr monatelang die Bestsellerlisten dominierte. Darin wird eine erfolgslose Autorin als Ghostwriterin engagiert und gerät in ein manipulatives Spiel, in dem Fiktion und Realität zunehmend schwerer voneinander unterschieden werden können. Bereits der Trailer hinterließ einen aussichtsreichen Eindruck und weckte Erwartungen an die überaus gelungene, im ähnlichen Genre angesiedelte, sinnlich-spannende Produktion „The Housemaid“, die im Januar hierzulande über eine Million Besucher in die Kinos lockte. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich jedoch, dass „Verity“ nicht nur im direkten Vergleich das Nachsehen hat, sondern sich der angestrebte Prickelfaktor aus unterschiedlichen Gründen einfach nicht einstellen möchte.

© Amazon MGM Studios

„Verity – Dunkle Geheimnisse“ beginnt in Gestalt einer Szene mit Schockwirkung durchaus vielversprechend, wechselt aber dann trotz atmosphärischer Gestaltung rasch zu einer selbst für ein Kammerspiel eigentümlichen entschleunigten Erzählweise, während der Schlussakt regelrecht überfrachtet von Wendungen ist. Der vielfach auf den Pfaden von „Nocturnal Animals“ wandelnde Soundtrack – erneut aus der Feder von Volker Bertelmann – ist der große Pluspunkt der Genremischung und auch die stylishe Hochglanzoptik nebst effektvollem Schnitt weiß zu überzeugen. Dass jedoch die Grenze zwischen einer toxischen Liaison und Romantik des Öfteren fließend verläuft, stellt hinsichtlich der vermittelnden Botschaft ein nicht unerhebliches Manko des Zweistünders dar. Insbesondere die haarsträubende Einfachheit, mit der die von Dakota Johnson verkörperte Loween ins Netz gerät, vermittelt kein sonderlich vorteilhaftes Frauenbild, während die Sequenz, in der sie ihre Nebenbuhlerin als „machiavellistische Schl*****“ bezeichnet, zwar einen starken Einzelmoment darstellt, im Gesamtbild allerdings deplatziert anmutet.

© Amazon MGM Studios

Manche der Wortwechsel bewegen sich bedauerlicherweise auf Seifenopern-Niveau, was angesichts der ambitionierten Grundzüge und das namhaften, kleinen Ensembles verschenktem Potential gleichkommt. Obwohl man Anne Hathaways ambivalentes Spiel gern beobachtet, spürt man förmlich, dass sich dem mauen Skript regelrecht entgegenstemmen muss. Auch Dakota Johnson agiert bemüht und liefert zumindest eine glaubhaftere Leistung als in „Fifty Shades“, nichtsdestotrotz erweist sich Josh Hartnett selbst mit größtem Wohlwollen als eklatante Fehlbesetzung, weil er zu keiner seiner beiden Drehpartnerinnen die notwendige Chemie aufzubauen vermag.

© Amazon MGM Studios

Unter dem Strich dürfte „Verity – Dunkle Geheimnisse“ wohl maximal den Enthusiasten der Buchvorlage ein zufriedenes Gefühl geben. Abseits dieser Nische wird ein fader, enttäuschender und bisweilen pseudo-psychologisierter Nachgeschmack hinterlassen, da Regisseur Michael Showalter versucht, im Fahrwasser dagewesener Produktionen zu schwimmen und gewissermaßen vier verschiedene Filmsparten miteinander kombiniert, ohne einer von ihnen einen Mehrwert zu bescheren. Für Thriller-Maßstäbe ist das Gebotene schlichtweg zu brav, zu einer Satire fehlt es am essenziellen Biss und die erotische Komponente scheitert letztlich aufgrund der sprichwörtlichen Besetzungscouch.

US 2026 – 117 Minuten
Regie: Michael Showalter
Genre: Erotikthriller / Psychodrama / Literaturverfilmung
Darsteller: Anne Hathaway, Dakota Johnson, Josh Hartnett, Ismael Cruz Córdova, Brady Wagner, Irina Dvorovenko, K. K. Moggie, Michael Abbott Jr.

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